Von Martina Uckermann/ „Leider hat es mit dem K.o., den alle erwartet haben, nicht geklappt", so ein enttäuschter
Klitschko nach dem Kampf. Dabei hat der Ausnahmesportler sich nichts vorzuwerfen, denn
Kevin Johnson war alles andere, als Fallobst, auch wenn er sich nicht durch besondere Leistungen hervor tat. Zum zweiten Mal in Klitschkos Karriere musste er über zwölf Runden gehen, und das geht an die Kondition. Aber der 38-jährige Ukrainer war gut vorbereitet und verteidigte seinen WM-Titel im Schwergewicht nach WBC-Version erfolgreich vor mehr als 17 000 Zuschauern in der
Berner Postfinance-Arena sowie vor Millionen von Menschen an den Fernsehern. Allerdings war dieser Sieg nach Punkten (120:108, 120:108, 119:109) recht unspektakulär. Man hatte schon große Erwartungen an den Boxer gestellt. Vitali zog anschließend Bilanz:„Johnson war sehr schwierig zu boxen. Sein Stil ist unangenehm“! Es war alles in allem eine ziemlich glanzlose Vorstellung.
Kevin Johnson entzog sich geschickt aber unübersehbar den harten Schlägen des Weltmeisters, indem er permanent mit dem Kopf abtauchte und auf dem Rückzug war. Als Herausforderer rannte er mehr weg vor dem Kampf, anstatt mit eisernem Willen zu zeigen, dass er den Titel gewinnen will.
Vitali Klitschko hatte somit Schwierigkeiten seine harte Linke einzusetzen, zeigte aber in der letzten Runde, dass er nicht bereit war, diese Reaktion seines Gegners einfach so hinzunehmen. Der Ringrichter übersah im Übrigen mehrmals, dass Johnson versuchte mit verbalen Attacken Klitschko aus der Fassung zu bringen. Das ist im Ring streng verboten und im Allgemeinen wird ein Boxer ermahnt, dies zu unterlassen. Einstecken konnte
Johnson schon einiges und auch
Klitschko kam nicht ganz ohne Schrammen davon. Aber Johnson verdankte es ausschließlich seinen guten Nehmerqualitäten, dass er nicht K.o. in den Seilen landete.

Doch er hatte eine plausible Erklärung für die Ausweichtechnik, die er über die gesamte Kampfzeit anwandte: „Ich habe mir eine Ellenbogenverletzung zugezogen und konnte deshalb nicht wie geplant kämpfen“, so der 30-jährige Amerikaner. Dabei hatte er noch Tage vor dem Kampf großartig angekündigt, die Welt zu schocken, indem er Klitschko den WM-Gürtel entreißt. Das hat ja nicht geklappt und Johnson träumt schon jetzt von einem Rückkampf. Vitali Klitschko schließt das aber aus. Er hat bereits andere Pläne. Trainer Fritz Sdunek: „Vitali ist enttäuscht, dass er keinen K.o. geschafft hat, ich nicht so“! Klitschko plant für das kommende Jahr einen Titelverteidigungskampf gegen WBA-Weltmeister David Haye. Der Brite ist bekannt für seine verbalen Attacken gegen die Klitschko-Brüder. Aber er ist durchaus nicht zu unterschätzen, denn vor fünf Wochen holte er sich den Titel mit einem Sieg gegen den über 2,13 Meter großen Russen Nikolaj Walujew.
Vitali Klitschko aber zeigt sich optimistisch:„Ich bin überzeugt, das nächste Jahr bringt uns attraktive Kämpfe“!