Der Filmemacher und Schriftsteller Pyotr Magnus Nedov erhält am 09. November 2011 im Kölner Literaturhaus aus den Händen von Bürgermeisterin Angela Spizig den diesjährigen Förderpreis für Literatur. Auf sehr zeitgenössische Weise spinnt Pyotr Magnus Nedov die große tragikomische Erzählertradition Osteuropas fort. Das von ihm für den Förderpreis eingereichten Manuskript des Romans “Zuckerleben. Geschichte einer Nationalorgie” offenbart seine Begabung. Nedov erzählt die Geschichte des Fremden Tolyan Andreewitsch, der die Asche seiner verstorbenen Freundin nach Island transportiert, mit Witz und einem genauen Blick für Szenen und Figuren. Auf dem Weg nach Island erzählt der Hauptakteur zwei selbstmordgefährdeten Jugendlichen die märchenhafte Geschichte vom Aufstieg eines Helden der sozialistischen Arbeit, von der Besetzung einer Zuckerfabrik und vom Zusammenbruch der Sowjetunion. Die Jury lobte in Nedovs Texten den klaren Blick für Figuren, die er auf überaus anschauliche Weise zeichnet. “Darin kommt eine hohe Sensibilität für Bilder und Vorgänge zum Ausdruck. Zugleich wird deutlich, dass es sich nicht bloß um abstrakte Gedankenkonstrukte handelt, sondern um lebendige “echte”, das heißt mögliche Menschen. Die Darstellung zeit somit eine profunde Kenntnis der menschlichen Natur, die auf Beobachtung und Anschauung, also unmittelbarer Erfahrung, beruht, aus dem vollen Leben schöpft. Dass dazu ein Blick für Details und literaturfähige Szenen tritt, sowie die Fähigkeit, diese in eine sprachlich angemessene und gleichermaßen originelle Form zu bringen, komplettiert den positiven Gesamteindruck dieses literarischen Zugriffs.”
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Nedov wurde 1982 in der UdSSR (heute Moldawien) geboren und wuchs in Österreich auf. Sein Abitur machte er in Wien, um dann Anthropologie und Filmwissenschaften an der Sorbonne in Paris, in Moskau, Montreal und Wien zu studieren. Mit einer filmwissenschaftlichen Arbeit über den militanten Regisseur Pierre Falardeau aus Quebec promovierte er 2008 zum Doktor der Philosophie. Seit 2009 absolviert er ein postgraduales Regie- und Drehbuchstudium an der Kunsthochschule für Medien Köln. Neben seiner literarischen Arbeit, für die er schon zahlreiche Preise bekam, drehte Nedov eine Reihe von viel beachteten Filmen. Das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium ist mit 10.000 Euro dotiert. Im Anschluss an die Preisverleihung liest Nedov aus seinen eigenen Werken. Der Eintritt zu der Lesung im Literaturhaus ist frei. Die Stadt Köln vergibt seit den 70er Jahren Förderstipendien für junge Künstlerinnen und Künstler im Alter von bis zu 30 oder 35 Jahren. Viele von den Stipendiaten haben sich mittlerweile in ihren Sparten durchgesetzt, sind bekannt und erfolgreich geworden. Beispielhaft seien hier genannt: Maria de Alvear, Carola Bauckholt, Marcel Beyer, Liane Dirks, Johannes Fritsch, Jens Hagen, Norbert Hummelt, Jürgen Klauke, Thomas Kling, Theo Lambertin, Marcel Odenbach oder Manos Tsangaris.
Preisverleihung und Lesung
Pyotr Magnus Nedov
09. November 2011, 20.30 Uhr
Literaturhaus Köln
Schönhauser Straße 8
Köln-Bayenthal


