Melodrama – das sind emotionale Beziehungswelten statt äußerer Aktion. Das Melodrama lässt all seine Figuren unter Verlust und Bindung leiden. Die, die man liebt, verliert man und an die, die man hasst, ist man gebunden. Melodrama – das ist der ständige innere Kampf mit den gesellschaftlichen Bedingungen, denen man unterworfen ist. Und so lautet der Schlüsselsatz für die melodramatische Hauptfigur: Wollen, aber nicht können. Häufig wird das Melodrama mit Filmen assoziiert, in denen die Charaktere dramatisch überzeichnet, die Konflikte theatralisch überzogen und die soziale Umgebung kitschig schematisiert werden. Damit das Drama des einzelnen in Familie und Gesellschaft richtig vorangetrieben werden kann, nutzen heute viele Autoren dieses Genre: für das Kino, für anspruchsvolles TV-Drama oder für die Quoten-Prime-Time. Melodramen weisen beispielsweise Fatih Akin, Jane Austen, Alan Ball, Michael Haneke, Daniel Nocke, Rosamunde Pilcher, Oskar Roehler oder Ruth Thoma auf, ebenso wie viele andere Autoren, die für Krimi einen melodramatischen Subplot kreieren. So kann das Melodrama zum einen tragisch (Jane Austen) zum anderen aber auch tragikomisch (Alan Ball, Pedro Almodóvar) erzählt werden. Die Erzählung uralter Konflikte, die in der Conditio Humana angelegt sind, ist jedoch allen Melodramen gemeinsam.Psychoanalytisch betrachtet geht es im Melodrama um den Kampf der Triebe gegen die Kultur, existenziell um das Ringen des freien Willens mit den Kräften, die stärker sind als wir: Naturgewalten, Krankheit oder Tod – aber auch die Liebe. Es geht immer um das Aushalten der Spannung zwischen der inneren Sehnsucht und der äußeren Machtlosigkeit: Das Liebesmelodrama beleuchtet den Konflikt zwischen Gefühlen und Vernunft, das Familiendrama befaßt sich mit dem Widerstreit zwischen individueller Leidenschaft und übergeordneten familiären und sozialen Regeln und das Schicksalsmelodrama hingegen reibt sich an der Unvereinbarkeit des menschlichen freien Willens mit der Macht des Schicksals. In Zeiten knapper Budgets und des Interesses an großen emotionalen Erzählungen steht dieses Genre hoch im Kurs. Man wird sich des gesellschaftlichen Codes bewußt, unter dem die eigenen Figuren stehen und man erzählt ihren Kampf, ohne bei der Zuspitzung des Konflikts auf leise oder auch auf komische Töne verzichten zu müssen. Die internationale filmschule köln veranstaltet vom 28. bis 30. August 2010 die Genre-Werkstatt “Melodrama” mit einer lebendigen Mischung aus Theorie und praktischen Übungen, die in den ersten beiden Tagen in die dramaturgischen Paradigmen des Genres einführt.
Generelle dramaturgische Überlegungen und Filmanalysen zum Genre werden von Daniel Speck mit der lebendigen Entstehungsgeschichte von Filmen und mit einem aktuellen Beispiel aus der deutschen Filmlandschaft verbunden. Am dritten Seminartag stellt die Redakteurin Brigitte Dithard vom SWR den von ihr betreuten TV-Film “Flug in die Nacht – Das Unglück von Überlingen” vor und berichtet aus der Praxis der Drehbuchentwicklung dieses Schicksalsmelodramas (Buch und Regie: Till Endemann). Im Anschluß an die Präsentation wird reflektiert, inwiefern sich die melodramatischen Elemente gewinnbringend für eine starke Erzählung nutzen lassen. Mit der Vorbereitung an den ersten beiden Tagen kann so ein gemeinsames Forum für alle anwesenden Autoren, Redakteure und Produzenten entstehen, die sich mit dem Melodrama beschäftigen möchten. Es wird analysiert, wie häufig melodramatische Erzählungen unbewusst verwendet werden, und wie melodramatische Elemente die besondere Kraft einer Geschichte stärken und eine entsprechend starke Positionierung auf dem Markt der Erzählungen beeinflussen können. Alle interessierten Autoren, Regisseure, Produzenten und Redakteure sind wie immer herzlich eingeladen, mit ihrer Arbeitserfahrung und ihren Fragen an diesen Tagen teilzunehmen. Der Anmeldeschluß zur Bewerbung ist der 15. August 2010. Folgende Bewerbungsunterlagen sollten per Post oder Fax eingereicht werden:
Anmeldebogen (vollständig ausgefüllt und unterschrieben) Verpflichtungserklärung (unterschrieben) Vita (Filmografie oder kurzer Lebenslauf). Es gilt das Datum des Poststempels oder Fax; die Zu- und Absagen werden am 16. August 2010 per E-Mail versandt. Die Werkstatt ist Teil der Reihe “Liebesgeschichte – Melodrama – Komödie”, die die professionelle Stoffentwicklung innerhalb des ifs-Autorenprogramms begleitet. Sie verbindet generelle dramaturgische Überlegungen und Filmanalysen von Filmen und mit ihren Machern aus der deutschen Filmlandschaft.
Genre-Werkstatt “Melodrama” mit Daniel Speck und Brigitte Dithard
28. – 30. August 2010
ifs
internationale filmschule köln gmbh
“Glückauf-Haus”
Werderstraße 1
50672 Köln
Kontakt: Julia Grünewald, Leiterin Bereich Drehbuch
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. > Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Telefon: 0221/920188-17
Fax: 0221/920188-86
28.08.2010: 11.15 Uhr – 18 Uhr
29.08.2010: 10 Uhr – 18 Uhr
Dozent:
Daniel Speck (Drehbuchautor und Dramaturg, u.a.: “Meine verrückte türkische Hochzeit”, 2005, “Die Hölle von Verdun”, 2006, “Maria, ihm schmeckt´s nicht!”, 2008, “Zimtstern und Halbmond”, 2010)
30.08.2010: 10 Uhr – 18 Uhr
Dozentin: Brigitte Dithard (Redakteurin beim SWR, zuständig für den Stuttgarter “Tatort” mit Richy Müller und Felix Klare, für Fernsehfilme, Kino-Koproduktionen und Kurzfilme)
Teilnehmerzahl: max. 15 Personen
Teilnahmegebühr: 180 Euro (Gebühr für Teilnehmer des Autorenprogramms 2010/2011: 80 Euro)
Bewerbungsschluss: 15. August 2010 (Bewerbung postalisch oder per Fax)

