Es war 1975, als in Südafrika die Kinder auf die Straße gingen, um für ihr Recht auf Bildung zu kämpfen. Sie wollten besseren Unterricht und vor allem, dass er in ihrer Muttersprache abgehalten werden sollte. Hunderte Schülerinnen und Schüler wurden von Polizei und Sicherheitskräften erschossen. 2012 möchten die SOS-Kinderdörfer weltweit an diese Demonstration erinnern. Auch daran, dass sich die afrikanischen Kinder auch heute noch engagieren und für bessere Bildungschancen einsetzen und bis heute meistens nicht die Chance dazu erhalten. Petra Bartoli y Eckert, Regensburger Autorin und erste Preisträgerin des SOS-Kinderliteraturpreises, war dieses Jahr in Afrika in Mosambik und überzeugte sich selbst von den extremen Bedingungen, in denen die Kinder dort leben und lernen. Spontan entschied sie sich, einen Brief an eines der Kinder, das ihr von ihrem Aufenthalt im Gedächtnis geblieben war, zu schreiben:
„Liebes Kind aus Mosambik,
wir fuhren mit dem Auto zum Teatro Avenida in Maputo, Mosambik. Stiegen aus, um einen Kaffee zu trinken. Da sah ich dich. Wie aus einem Mankell-Roman: Klein, dürr, nackte Beine. Unsere Blicke trafen sich und Du lächeltest mich an. Ich winkte Dir zu, Du standest auf und hüpftest von einem Bein auf das andere. Dann stupste Dich ein Kind an. Es wollte weiter Matocosana mit Dir spielen. Du setztest dich wieder auf den sandigen Boden und hantiertest mit den Steinen, die man für dieses Spiel braucht. Ich beobachtete Euch. Das war ein Moment der Freude und des Vergnügens. Für Euch und für mich. Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber was ich weiß ist, dass es viel zu vielen Kindern in Deinem Land schlecht geht. Dass viele von Euch Angst haben müssen. Angst davor, dass Eure Eltern es heute nicht schaffen werden, etwas zu essen für Euch und Eure Geschwister aufzutreiben.
Angst davor, dass Ihr bei Euren Streifzügen durch die Gegend vielleicht auf eine der immer noch im Boden schlafenden Landminen tretet. Angst davor, dass Eure Eltern oder Geschwister sich mit dem HI-Virus anstecken und nicht überleben. Angst davor, dass morgen Euer Leben vielleicht noch weniger unbeschwert sein könnte als heute. Dann stiegen wir wieder ein und fuhren weiter. Ich warf Dir zum Abschied noch einen Blick zu. Du musstest diesen Blick gespürt haben, denn Du sahst zu mir auf. Ich konnte Dir in dem Moment nichts schenken, als ein Lächeln. Du lächeltest zurück.
Und dieses Lächeln habe ich mitgenommen nach Deutschland. Ich habe es in mir behalten und Dein Lächeln ist Anlass genug für mich, mich für ein gutes und glückliches Leben von Kindern in Deinem Land einzusetzen. Und das ist die Aufgabe von uns Erwachsenen - nicht nur in Deinem Land, sondern auf der ganzen Welt. Ich werde darüber sprechen und darüber schreiben, um alle daran zu erinnern, die das vielleicht vergessen haben. Ich bin froh, dass ich Dich für einige Augenblicke kennenlernen durfte. Deine Petra Bartoli y Eckert.“
Quelle: SOS-Kinderdörfer weltweit/Hermann-Gmeiner-Fonds, Bildrechte: cocorioko.net


