Die Die Erwartungen waren groß, als VOX in diesem Jahr zum ersten Mal mit der neuen Castingshow „X FACTOR“ an den Start ging. Clever ließ man die Castings noch über die Muttergesellschaft RTL laufen und startete dann mit den Shows bei VOX. Aber trotz hochkarätiger Jury mit Sängerin Sarah Connor, die die Gelegenheit gleich mal für ihr Comeback nutzte, Startrompeter Till Brönner, der da auch sein Sangestalent präsentierte und der bodenständige Musikproduzent George Glueck, der dafür eigens seine Wahlheimat New York verließ, sanken die Quoten in den Keller. Lag es vielleicht an den vielen Mängeln, die in der Show auftraten? Auffällig war die oft schlechte Musikauswahl. Eine Live-Band hätte dem Ganzen sicher mehr Glanz verliehen und Garderobe sowie auch Make-up wirkte oft wie lieblos ausgewählt. Allerdings war die Tonqualität in der Halle selber so schlecht, da hätte auch eine Band nichts mehr retten können. Nichtsdestotrotz konnte man das für den Zuschauer am Fernseher mit einem gut gelungenen Schnitt attraktiver zaubern. Waren es vielleicht die Jurymitglieder, die auch gleichzeitig Mentoren für jeweils eine Kategorie waren, die zu langweilig für die Zuschauer rüber kamen?
Dabei gab jeder mit seinem Fachwissen sein bestes – sollte man meinen. Wenn man aber genauer hinhörte und die Staffel komplett verfolgte, dann fiel einem unwillkürlich auf, dass neben gelegentlicher Zickereien seitens von Frau Connor, die meiste Zeit sich gegenseitig beweihräuchert wurde. Das liegt ja auch nahe, wenn man bedenkt, dass George Glueck auch gleichzeitig der Produzent von Sarah Connor ist. Die verließ übrigens schmollend das Studio, als ihr letzter Schützling Mati Gavriel aus der Show flog. Dabei hatte sie das doch mit ihrer beknackten Songauswahl (Madonna/Katy Perry) und ihrer Fehlentscheidung Anthony Thet nach Hause zu schicken das selbst mit zu verantworten. Vielleicht deshalb die rasche Flucht, noch bevor die Aftershow-Party begann? Oder aber lag es an den Kandidaten? Waren diese zu schlecht ausgewählt worden? Wir erinnern uns an Pino Severino, Marlon Bertzbach, Anthony Thet, Big Soul, Meral Al-Mer, Urban Candy, Mati Gavriel, La Famille, die gleich in der ersten Show rausflogen, und schließlich die Gewinnerin Edita Abdieski. Zugegeben – da saßen schon so manche Töne schief, aber die heimlichen Favoriten Big Soul, Edita Abdieski und Mati Gavriel legten mit jeder Show noch eine Schippe drauf. Gereicht hat es dann für Edita. Ja, wo ist Edita eigentlich jetzt?
Was ist überhaupt mit den Kandidaten passiert, die man vorher hütete wie rohe Eier? Interviews waren nur via Telefon möglich und die Pressearbeit der verantwortlichen PR Fraktion ließ mehr als zu wünschen übrig. Nach der Show kam dann der endgültige Fall. Wurden die rausgewählten Kandidaten offiziell noch von einer Agentur für vier Wochen begleitet, so war dann Schluß. Allerdings passierte in dieser Zeit auch nicht viel. Einige Ex-Kandidaten plauderten aus dem Nähkästchen und machten ihrem Ärger Luft.. Da soll Anthony Thet schon seit Jahren mit George Glueck befreundet sein und Candy von Urban Candy kennt Sarah Connor durch Studioarbeiten auch schon seit einiger Zeit. Geholfen hat das allerdings auch nichts. Auch diese Ex-Kandidaten verschwanden nach der Show von der Bildfläche. Auch die vollmundigen Versprechen der Mentoren bzw. der Jury, sich auch weiterhin um ihre Schützlinge zu kümmern, war nach Ausscheiden der jeweiligen Kandidaten schnell vergessen. Gezofft wurde sich hinter der Bühne meistens über die Songsauswahl und die PR-Tanten sollen die Kandidaten nicht besonders nett behandelt haben. Allein schon die Knebelverträge waren nicht ohne, was aber nun mal üblich ist.. Aber dass die Kandidaten, die ja noch völlig unbedarft auf die große Showbühne schlitterten, so hinters Licht geführt wurden, ist unfassbar. Auch die Agentur kümmerte sich laut einiger Ex-Kandidaten nicht um die jungen Künstler, so wie es groß angekündigt wurde – im Gegenteil. Interviewanfragen wurden z.B. im Fall von Mati Gavriel einfach ignoriert. Und nun zu der wichtigsten Frage: Was ist denn nun aus Edita, der Gewinnerin geworden? Der ging es wohl ähnlich, wie den restlichen Kandidaten.
Keine Medienpräsenz, keine Interviews, keine Auftritte und wenn dann wahrscheinlich in einem Kuhdorf am Ende der Welt. So geht es auch einigen Ex-Kandidaten, die jetzt weiterhin wie vorher auch schon, von Club zu Club tingeln. Wenn man alle Castingshows noch mal Revue passieren lässt, dann ist doch nur noch einer präsent, der es ganz allein geschafft hat. Die Rede ist von Thomas Godoj, der sich nicht von Bohlen und Co. pampern ließ, sondern stoisch seinen eigenen Weg ging. Kaum einer hat so eine riesige Fanbase wie Godoj und spielt noch immer in ausverkauften Sälen. Um nur einige Beispiele zu nennen - wer kann sich noch an Tobias Regner, Gewinner der dritten Staffel von DSDS, Bro Si’s und Queensberry von Popstars erinnern? Wohl kaum einer, obwohl auch diese Künstler Potenzial hatten. Immerhin profitierten einige Ex-Kandidaten vom plötzlichen Ruhm; Alexander Klaws, der Gewinner der ersten DSDS Staffel tritt heute erfolgreich in Musicals auf. Daniel Kübelböck hat sein eigenes Unternehmen und Mark Medlock zeigt sich ab und an mal an der Seite seines Mentors Dieter Bohlen. Der hat immerhin sein Versprechen gehalten und puscht seinen Schützling so gut es geht. Aber wer nicht über die richtigen Kontakte verfügt und das bekannte Quentchen Glück fehlt, darf wohl weiterhin nur noch von seiner vergangenen Karriere träumen. Solange es Kandidaten gibt, die sich gerne mal im Rampenlicht sehen und die Quoten einigermaßen stimmen, sind doch fast alle glücklich. Mit Ausnahme der Ex-Kandidaten. Die bleiben, nachdem sie verheizt wurden, leider auf der Strecke. (MU)
Bildquelle:VOX


