Antonia Rados: “Ist man als Kriegsreporterin zu unterwürfig, wird man über den Tisch gezogen – ist man zu aggressiv, ist man eine Hexe”

RTL-Kriegsreporterin Antonia Rados (60) spricht über ihren nervenaufreibenden Beruf, der sie seit 30 Jahren an die Kriegs- und Krisenschauplätze dieser Welt führt, und darüber, wie sie mit der allgegenwärtigen Angst und Gewalt umgeht: “Das Gefährliche ist das Überraschungselement, dass man eben nicht weiß, wann etwas passiert. Als ich gerade im Jemen war, musste ich mit der dauernden Angst zurechtkommen, entführt zu werden. Das ist körperlich und geistig sehr anstrengend.” Solche Strapazen hätten sie aber noch nie von einem Einsatz abgehalten: “Ich bereite mich gut vor, und ich gehe verantwortungsvoll mit meinem Leben um. Ich habe nicht vor, bald damit aufzuhören.” Ihre sehr persönliche Begründung liefert sie gleich mit: “Denn es ist wichtig, dass auch Frauen harte politische Berichterstattung machen.”

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Leider hätte sich in den letzten Jahren wenig an der Arbeitssituation weiblicher Journalisten geändert: “Egal, welchen Job man ausübt, als Frau hat man immer Nachteile. Als Kriegsreporterin muss man sich natürlich durchbeißen. Ist man zu unterwürfig, wird man über den Tisch gezogen, ist man zu aggressiv, heißt es, man ist eine Hexe. Aber damit kann ich gut leben.” Die Rückkehr aus Kriegsgebieten in den Alltag, sagt Antonia Rados, falle ihr trotz aller gewonnenen Routine immer noch nicht leicht: “Die Umstellung ist schwierig, denn die Welten klaffen auseinander, man fühlt sich zerrissen.” Doch mit den Jahren hat die Österreicherin gelernt, wie sie zu Hause in Paris bei ihrem Lebensgefährten, der ebenfalls als Journalist arbeitet, am schnellsten wieder ins normale Leben zurückkehrt: “Viel darüber reden” helfe in jedem Fall. Und: “Kochen ist auch ein wunderbares Rezept. Zu Hause wird der Krieg damit beendet, dass ich schön essen gehe.”

 

Quelle: GRAZIA, Bildquelle: welthungerhilfe.de

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