Ausbildungszertifikate 2015: Kölner Unternehmen bilden gut aus

Das Ausbildungszertifikat, eine Auszeichnung für kontinuierliche und qualitativ sehr gute Ausbildung, verleiht die Arbeitsagentur Köln nun im neunten Jahr gemeinsam mit der Stadt Köln. Die Verleihung im Historischen Rathaus nahmen Oberbürgermeister Jürgen Roters, Agenturchefin Roswitha Stock und der alternierende Vorsitzende des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit Köln, Wolfgang Reß, vor. Die acht Betriebe, die das Ausbildungszertifikat 2015 erhalten, engagieren sich in besonderer Weise für ihren Nachwuchs. „Sie tragen erheblich dazu bei, dass durch Bildung und Ausbildung ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft gesichert wird. So erhalten Jugendliche etwa die Möglichkeit, sich nicht nur beruflich zu qualifizieren, sondern auch schulische und sprachliche Defizite aufzuarbeiten und soziale Kompetenzen zu verbessern.“, so Oberbürgermeister Jürgen Roters. „Ich bedanke mich für die Bereitschaft, Jugendlichen Hilfestellungen zu einem erfolgreichen Start ins Berufsleben zu geben. Mögen die Ausgezeichneten vielen anderen Unternehmen in Köln ein Vorbild sein.“ “Die Preisträger haben sich verdient gemacht um die Zukunft vieler junger Leute.“, lobte Roswitha Stock die Vertreter der acht Unternehmen. Die Chefin der Arbeitsagentur betonte: “Wer ausbildet, investiert viel Zeit und Kraft, erlebt dann und wann auch Enttäuschungen. Aber wer ausbildet, gewinnt auch: Viele der ehemaligen Auszubildenden sind in Ihren Unternehmen geblieben und gehören heute zu den Leistungsträgern, zu den Mitarbeitern, auf die Sie sich verlassen können. Ich höre immer wieder von Betrieben: ‚Unsere Eigengewächse sind die besten‘. Auch zunächst schwächere Jugendliche können zu einer wertvollen Verstärkung für die Betriebe werden. Gerade die Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf müssen nun in den Fokus der Bemühungen genommen werden. Wir werden künftig auch die Stärken bei den schwächeren Bewerbern suchen und fördern müssen.“, erläutert Stock.

 

Die Agentur für Arbeit beginnt jetzt mit dem neuen Instrument der assistierten Vermittlung. Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf, beispielsweise mit Lernbehinderung, erhalten eine noch intensivere und sehr individuelle Betreuung. Ausbildungsakquisiteure der Arbeitsagentur suchen gezielt Ausbildungsstellen für die Jugendlichen und begleiten diese in die Ausbildung hinein. Besonderheit ist, dass den Azubis auch während der Ausbildung Ansprechpartner zur Seite stehen, die Alltagshilfen anbieten, für Konfliktbewältigung oder für Gespräche mit Ausbildern oder Eltern zur Verfügung stehen. Ziel ist es immer, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen und anschließend in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu gehen. „Dafür brauchen wir Unternehmen, die diesen Weg mitgehen und den Jugendlichen eine Chance geben, die auf den ersten Blick nicht erste Wahl wären. Ich bin überzeugt, dass es sich lohnt in schwächere Jugendliche zu investieren.“, so

Stock. „Das System der dualen Ausbildung hier bei uns in Deutschland ist Exportschlager in der Welt. Hierauf müssen wir uns besinnen. Ich freue mich daher ganz besonders, dass wir auch heute Betriebe auszeichnen dürfen, die die duale Ausbildung mit großem Einsatz für junge Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen.“, so Wolfgang Reß, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands kölnmetall und alternierender Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit Köln. Leider müsse jedoch festgestellt werden, dass sich junge Menschen verstärkt Richtung Hochschule und akademische Laufbahn orientieren. „Völlig zu Unrecht werden die hervorragenden Aufstiegsperspektiven, die ein Berufsabschluss durch eine duale Ausbildung mit ihren Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten bietet, in der öffentlichen Wahrnehmung häufig ignoriert.“, bemängelte Reß. Die drei Redner waren sich einig, dass es gemeinsamer Anstrengungen aller Beteiligten – Elternhaus, Schule, Betriebe, aber auch Institutionen wie Arbeitsagentur oder Jugendhilfe – brauche, damit möglichst vielen Jugendlichen der Schritt in die Ausbildung gelingt und sie erfolgreiche Auszubildende werden.

 

Die Preisträger:

Autohaus Barthel GmbH

Das Autohaus in Porz wird von Antje Barthel-Haas und Frank Haas geführt. Derzeit werden fünf junge Menschen zu Kfz-Mechatronikern,       Kfz- Karosseriemechanikern und zu Automobilkaufleuten ausgebildet. Ein Praktikum wird der eigentlichen Ausbildung vorausgesetzt. Der Betrieb nimmt seit vier Jahren regelmäßig am Girls’Day teil und versucht Mädchen für eine Beschäftigung in der Werkstatt und im Lager zu gewinnen.

 

Bierbaum-Proenen GmbH Co. KG

Das Traditionsunternehmen wurde bereits 1788 in Köln gegründet und wird derzeit in siebter Generation von den Inhabern Harald und Matthias Goost geführt. Im Kölner Firmensitz arbeiten 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter neun Industriekaufleute in Ausbildung. Alle zwei Jahre wird auch ein dualer Studienplatz angeboten, bei dem die Ausbildung zum/zur Industriekaufmann/-frau mit dem Studium Industriemanagement B.A. verbunden wird. Das mit der Marke BP international tätige Unternehmen freut sich besonders über Bewerbungen von jungen Menschen mit Migrationshintergrund, da kulturelle Vielfalt als Bereicherung angesehen wird.

 

Blickfang Messebau GmbH

Das 1994 gegründete Unternehmen wird von Patrick Esser und Peter Rüweler geführt. Von den 43 Beschäftigten befinden sich acht in Ausbildung zum Tischler/-in, zu Veranstaltungskaufleuten und Fachkräften für Lagerlogistik. Das Unternehmen sucht Azubis nicht nur nach Schulabschlüssen aus, sondern bewertet auch Teamfähigkeit oder Zuverlässigkeit sowie handwerkliches Geschick bei den Tischlern und Fachkräften für Lagerlogistik. In der Vergangenheit hat das Unternehmen bereits gute Erfahrungen mit Menschen mit Lernschwächen gemacht und diese jungen Menschen zum erfolgreichen Berufsabschluss geführt. Die auszubildenden Veranstaltungskaufleute werden schon während der Ausbildung in die Pflicht genommen, in dem sie in die Projektarbeit eingebunden werden und projektverantwortlich gegenüber Kunden auftreten. Zudem liegt die Organisation von Betriebsausflügen, Weihnachtsfeiern oder Fußballturnieren in ihren Händen. Aktuell sind zwei Jahrespraktikanten beschäftigt, die in der praktischen Arbeit überzeugen konnten, und im Herbst in die duale Ausbildung starten.

 

ETL Paul Schlegel Holding GmbH

Der Elektrofachgroßhandel wurde bereits 1927 in Düren gegründet und wird seit 1979 vom Inhaber Erwin Loenenbach geführt. 1986 wurde die ETL Gruppe gegründet. Von den über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind derzeit 22 in Ausbildung beschäftigt. Angeboten werden Ausbildungen für Kaufleute im Groß- und Außenhandel, Kaufleute für Büromanagement, Fachkräfte für Lagerlogistik und Fachlageristen. Der Mensch steht bei Schlegel im Mittelpunkt, so dass Auszubildende nicht anhand ihrer Noten, sondern nach sozialen Kompetenzen, Interesse am Berufsbild und Teamfähigkeit ausgesucht werden.

 

Buch- und Offsetdruckerei Häuser KG

Das Traditionsunternehmen wurde bereits 1922 gegründet und wird von Günter und Heiko Mazur geführt. Die Druckerei hat 191 Beschäftigte, darunter 13 Auszubildende. Der Betrieb beteiligt sich jährlich an der Ausbildung in den Berufen Medientechnologie Druck und Medientechnologie Druckweiterverarbeitung. Vor der Einstellung schaltet der Betrieb ein einwöchiges Betriebspraktikum. Einerseits haben die jungen Menschen so die Möglichkeit sich ein realistisches Bild vom Beruf und dem Betrieb zu machen. Andrerseits erkennt der Ausbildungsbetrieb Fähigkeiten und Kompetenzen der Bewerber, die Schulzeugnisse nicht abbilden können.

 

Bäckerei Heinz-Josef Probst

Der Familienbetrieb Probst bildet seit Jahren jährlich Schülerinnen und Schüler mit Hauptschulabschluss zum Bäcker/Bäckerin, Bäckereifachverkäufer/-in und Konditor/in aus. Voraussetzung für den Abschluss eines Ausbildungsvertrags ist ein persönliches Kennenlernen im Rahmen eines Praktikums. Bei der Auswahl der Azubis haben die Inhaber ein gutes Gespür, denn mehrfach erhielten Auszubildende bereits die Auszeichnung der Innungsbesten Bäcker.

 

Zahnarztpraxis richmodent

Die Zahnarztpraxis richmodent wurde 2000 von Dr. Ulrich und ZÄ Carola Engelberts gegründet. Unter den 48 Mitarbeitern befinden sich derzeit fünf Azubis im Beruf der zahnmedizinischen Fachangestellten. Bei der Auswahl von Auszubildenden stehen eine positive Einstellung, Teamfähigkeit und die Neugier auf Neues im Vordergrund. Noten werden erst während der Ausbildung besonders wichtig. Für jede „Eins“ auf dem Zeugnis erhalten die Azubis einen finanziellen Bonus. Richmodent hat gute Erfahrungen bei der Ausbildung einer alleinerziehenden Mutter gemacht, die die Ausbildung aufgrund guter Leistungen sogar verkürzt und mit der Gesamtnote „gut“ abgeschlossen hat. Zudem werden alle Auszubildenden als Fachkräfte übernommen.

 

Schröder Bedachungen GmbH

Der Betrieb für Bedachungstechnik, der in diesem Jahr sein fünfzigjähriges Bestehen feiert, bildet jährlich Dachdecker und Klempner aus. Dass das Unternehmen von der dualen Ausbildung überzeugt ist, zeigen nicht nur die acht Azubis. Etwa 80 Prozent der Gesellen wurden selbst ausgebildet und als Fachkräfte übernommen. Der Betrieb legt Wert auf soziale Kompetenzen und setzt ein Praktikum zum gegenseitigen Kennenlernen voraus.

 

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Köln/Stadt Köln, Bildquelle: KNJ

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