Johannes B. Kerner: “Zu Hause gibt es auch keinen Applaus, wenn ich morgens aufstehe”

Johannes B. Kerner: “Zu Hause gibt es auch keinen Applaus, wenn ich morgens aufstehe”

“Der Beruf hat mich verschlossener gemacht, aber nicht dickhosiger. Ich denke nicht pausenlos über meine Wirkung nach. Zu Hause gibt es auch keinen Auftrittsapplaus, wenn ich morgens aufstehe.”, sagt Johannes B. Kerner im Interview. Der erfolgreiche Moderator brach sein BWL-Studium ab, um ein TV-Praktikum in Berlin zu machen. “Ich wurde nicht nach oben katapultiert. Ich hatte Zeit, mein Handwerk zu lernen.”, erzählt der Wahlhamburger. Nach dieser Station ging es bereits zwei Jahre später zu Sat.1, fünf Jahre später kam dann der Wechsel zum ZDF. “Zwanzig Jahre ging es nur bergauf. Ich habe zeitweise bis zu vier Sendungen am Tag moderiert, plus Kochsendungen, DFB-Pokalspiele, Weltmeisterschaften, die Olympischen Spiele und den Jahresrückblick.” Er wundere sich selbst, wie er das geschafft habe und sagt: “Ich bin ein Vorbereitungsverrückter, bin bei Konferenzen dabei, lese Exposés und probe. Aber richtig gelebt? Das habe ich in dieser Phase meines Lebens nicht.”

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“Mit dem Senderwechsel vom ZDF zu Sat.1 kam 2009 eine spürbare Delle in meiner Karriere. Das war ein harter Aufprall. Die Zuschauer haben sich weder für Sender, Format noch Moderator interessiert.”, erzählt Kerner. Trotz “Momenten des Selbstzweifels” stand für Johannes B. Kerner fest: “Ich wollte meinen Beruf unbedingt weitermachen.” Im Herbst 2013 kehrte Kerner als Moderator zum ZDF zurück. “Ein bisschen Lampenfieber hatte ich schon, das gebe ich gern zu. Aber die Situation, rauszugehen, die ist einfach cool. Ich höre den grundlosen Applaus nicht ungern.”, sagt der gebürtige Bonner, der in Berlin aufgewachsen ist. Nun feiert der vierfache Vater, der mit der ehemaligen Hockey-Nationalspielerin Britta Becker verheiratet ist, seinen 50. Geburtstag, aber eine Party werde es nicht geben. “Ich war auf zu vielen runden Geburtstagen. Alle Reden sind gehalten.” Ein Problem sei das halbe Jahrhundert für den Ex-Ministranten nicht: “Der Vierzigste war komischerweise eins. Vierzig fand ich alt. Ich komme jetzt wohl in diese Selbstbetrugsphase – ein junger Fünfzigjähriger.” Allerdings ist der nächste Karriereschritt noch nicht geplant. “Ich bin nicht strategisch. Das Leben ist eine Mischkalkulation. Aber ich bin sowieso ein Laborhandwerker. Und wenn Fernsehen auf echte Menschen trifft, klappt es eben – oder nicht.”, sagt Johannes B. Kerner.

 

Quelle: EMOTION Verlag GmbH, Archivbild

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