Kinderhort Spichernstraße kämpft ums Überleben

Klage gegen Jugendhilfe-Verweigerung für Grundschulkinder – Prozesstermin 11.9.2015

 

Der Schulkinderhort Spichernstraße muß dringend benötigte Kinderbildungs-Plätze aus privaten Mitteln finanzieren, weil die Stadt Köln Einrichtungen für Grundschulkinder in freier Trägerschaft Jugendhilfe-Mittel für Bildungsarbeit vorenthält. Die städtische Bildungspolitik ist einseitig auf offene Ganztagsschulen (OGTS) ausgerichtet. Damit kommt die Stadt Köln ihrer gesetzlichen Verpflichtung zu einer bedarfsgerechten, an den Wünschen der Kinder und Eltern ausgerichteten Jugendhilfeplanung für Grundschulkinder nicht nach. Mit seiner Klage auf Jugendhilfe-Mittel aus dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) wehrt sich der Schulkinderhort Spichernstraße gegen dieses Versäumnis und fordert die Bildungsvielfalt ein, die den Kindern zusteht. Die Klage wird am 11.9.2015, 11:30 Uhr, vor dem Amtsgericht Köln öffentlich verhandelt.

 

Wie an vielen Kölner Schulen sind an der Montessori-Grundschule Gilbachstraße die Plätze für Kinderbildung am Nachmittag knapp. Die Warteliste der offenen Ganztagsschule (OGTS) wäre noch deutlich länger, gäbe es nicht den Kinderhort Spichernstraße, der für bis zu 27 Schülerinnen und Schüler ein pädagogisches Nachmittagsangebot bereitstellt. Es ist der einzige verbleibende Hort mit offizieller Betriebsgenehmigung in freier Trägerschaft in Köln. Alle anderen Horte sind nach und nach geschlossen worden, nachdem die Stadt Köln 2006 die finanzielle Unterstützung für diese Form der Bildungseinrichtung für Grundschulkinder eingestellt hat. Ziel der Stadt war es, die Betreuung nur noch in offenen Ganztagsschulen (OGTS) unter der Obhut des Schulamts stattfinden zu lassen.

 

Dies ist in zweierlei Hinsicht problematisch: Das Angebot der offenen Ganztagsplätze deckt bei weitem nicht den tatsächlichen Bedarf, und die finanzielle Ausstattung der Einrichtungen ist begrenzt. Außerdem hat das Jugendamt Köln damit die Chance vertan, auch weiterhin ein vielfältiges Bildungsangebot in der Nachmittagsbetreuung aufrecht zu erhalten. Dabei sind die Kommunen per Gesetz (SGB 8) zu einer Jugendhilfeplanung verpflichtet, die eine Zusammenarbeit öffentlicher und freier Träger vorsieht und damit eine vielseitige Bildungslandschaft gewährleistet. In Köln gibt es eine solche Vielfalt unterschiedlicher Träger mit städtischer Förderung derzeit nur noch im Kindergartenbereich. Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) würde durchaus auch eine städtische Förderung der Hort-Angebote für Grundschulkinder ermöglichen (KiBiz §19), doch anders als z.B. Bochum nimmt die Stadt Köln diese Chance bewusst nicht wahr.

 

Der Kinderhort Spichernstraße hat sich von Beginn an gegen diese einspurige Politik der Stadt Köln aufgelehnt und konnte zunächst eine kurzfristige Verlängerung der städtischen Finanzierung erstreiten. Seit diese 2008 dann endgültig eingestellt wurde, finanziert die Elternschaft den Kinderhort gänzlich aus eigenen Mitteln. Sie nimmt diese finanzielle Belastung auf sich, weil sie den Kindern der Montessori-Grundschule Gilbachstraße weiterhin eine Alternative und Ergänzung zur offenen Ganztagsschule bieten möchte. Diese kann schon allein aus Platzgründen nicht den gesamten Bedarf an Nachmittagsbetreuung decken. Ohne den Hort entstünde hier eine noch größere Betreuungslücke.

 

Langfristig wird der Elternverein des Kinderhorts diesen hohen finanziellen Aufwand aber nicht tragen können. Ohne die finanzielle Unterstützung der Stadt Köln kann die Einrichtung nicht dauerhaft überleben. Mit seiner Klage gegen die Stadt Köln möchte der Kinderhort Spichernstraße deshalb die städtische Förderung zurück erlangen. Entgegen mündlicher Zusicherung seitens der Stadt lässt diese sich nun doch durch externe Anwälte vertreten. Dadurch entstehen deutlich höhere Kosten für den Kinderhort bei nicht erfolgreicher Klage. Trotz dieses zusätzlichen finanziellen Risikos bei ohnehin prekärer Finanzlage hat sich der Elternverein entschlossen, die Klage aufrecht zu erhalten. Nur bei erfolgreicher Klage kann es auch in Zukunft an der Montessori-Grundschule Gilbachstraße eine bedarfsgerechte und vielseitige Bildungsarbeit am Nachmittag geben.

 

Der Kinderhort im Netz:

http://www.kinderhort-spichernstrasse.de

https://www.facebook.com/KinderhortSpichernstrasse

 

Begleitender Imagefilm zur Klage: “Mit Fug und Recht – ein kleiner Gallischer Hort in Köln”

 

Mit Fug und Recht - Ein kleiner gallischer Hort in Köln

Durch das Starten des Videos wird eine Verbindung zu Youtube aufgebaut, wodurch persönliche Daten übertragen werden. Mehr Infos unter https://policies.google.com/privacy?hl=de

 

 

 

Quelle: Christian Klimek (Öffentlichkeitsarbeit Kinderhort Spichernstraße e.V.), Archivbild

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