Wenker fordert „Schutzwall“ für Kinder – „Nicht gerecht, wenn Mittelalte Urlaub machen können“

Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker hat gefordert, Jugendliche und junge Eltern bei den Corona-Impfungen vorzuziehen. Im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sprach Wenker von einer „Frage der Generationengerechtigkeit“, weil neben den alten Menschen besonders Junge die stärksten Einschränkungen hinnehmen müssten. „Seit gut einem Jahr ist deren Leben fast auf null gefahren; kein ordentlicher Schulunterricht mehr, kein Sport und so weiter.“ Es sei den jungen Menschen gegenüber nicht gerecht, wenn nun mittelalten Menschen durch die Impfung der Sommerurlaub auf Mallorca ermöglicht werde, wohingegen sie selbst sich weiter einschränken müssten.

Niedersachsens Ärztekammerchefin: Verkürzung der Impfintervalle ist fahrlässig

Wenker schlug vor, Jugendliche ab 16 zu impfen. Mangels Impfstoff für Kinder sollten darüber hinaus deren Eltern geimpft werden, um gleichsam auch den Kindern eine Rückkehr in einen Post-Corona-Alltag zu ermöglichen. „Wir müssen einen Schutzwall um die Kinder bauen: Lehrer und Erzieher werden bereits geimpft, kommen auch noch die Eltern hinzu, dann steht der Schutzwall.“ Dann sei sichergestellt, dass infizierte Kinder ihre Eltern nicht anstecken könnten. Denn bei diesen sei die Chance für einen schweren Krankheitsverlauf deutlich höher als bei den Kindern selbst, die in der Regel nicht schwer an Corona erkrankten. Wenker regte an, für Jugendliche und junge Eltern eine vierte Priorisierungsgruppe zu schaffen, bevor dann die Impfungen für alle freigegeben werden.

Wenker hält Astrazeneca-Entscheidung für „medizinisch absolut nicht nachvollziehbar“

Martina Wenker hat die Verringerung der zeitlichen Abstände zwischen Erst- und Zweitimpfung mit Astrazeneca als fahrlässig kritisiert. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sagte Wenker: „Wir brauchen vernünftige Impfintervalle, um eine möglichst gute Immunität zu ermöglichen.“ Laut Studienlage ist dies beim Impfstoff Astrazeneca bei einer Zwischenzeit von zwölf Wochen der Fall. Bund und Länder hatten das Impfintervall zuletzt auf vier Wochen verkürzt. Wenker sagte: „Das ist medizinisch absolut nicht nachvollziehbar. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will doch keinen Grundstein für eine vierte Welle legen. Das macht mir Sorgen.“ Ein möglichst hoher Impfschutz sei wichtig. „Sonst kriegen wir das Virus nicht weg“, so Wenker.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung, Archivbild/Pexel