Ranga Yogeshwar: “Meine Frau zu heiraten, war der beste Einfall meines Lebens”

Wissenschaft ist seine Leidenschaft. Seit 27 Jahren beschäftigt sich der Physiker im Fernsehen mit Elementarteilchen & Co – hinterfragt, tüftelt, entwickelt. Aber der beste Einfall seines Lebens stammt nicht aus dem Labor, das war ein anderer: “Nachhaltig betrachtet: Meine Frau zu heiraten.”, sagt Ranga Yogeshwar im Interview. Mit der Sopranistin Ursula Yogeshwar lebt der Wissenschaftsjournalist in Hennef bei Köln. Zu Hause beweist der 55-Jährige praktisches Talent: Die Terrasse ist Handarbeit, “auch die Sternwarte im Garten habe ich eigenhändig gebaut.” Stillstand ist für den rührigen 55-Jährigen keine Option: “Ich halte meine Lernkurve gern hoch. Routine empfinde ich als furchtbar. Sobald ich weiß, wie etwas funktioniert, interessiert es mich nicht mehr.”, sagt Ranga Yogeshwar . Deshalb sorgt er für viel Abwechslung: “Letzte Woche ein Vortrag über Kunst und Alchemie, diese Woche ein Abend zu den Gurre-Liedern von Schönberg, nächste Woche ein Meeting mit Melinda Gates über Gesundheit und daneben die härtere Wissenschaft.” Der gebürtige Luxemburger ist längst ein bekanntes TV-Gesicht. Dennoch: “Popularität habe ich nie angestrebt, das ist eine Außensicht. Für mich zählt nur inneres Glück und bei sich zu sein.” Beim Windsurfen erholt er sich vom Studio-Alltag: “Da finde ich Stille und Einsamkeit.”

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Abschalten können ist eine wichtige Voraussetzung für neue Gedanken. “Ich glaube fest daran, dass uns Reflexion etwas schenkt, das es nicht als Sonderangebot in Fußgängerzonen gibt.” Die Lust am Wissen versucht er in seinen zahlreichen Wissenssendungen zu vermitteln – komplexe Inhalte runterzubrechen für das Fernsehpublikum. “Ich bin in die Rolle des Erklärbärs geraten, weil Medien uns Rollen zuordnen.”, sagt der Moderator. Seinem inneren Bild entspreche diese Rolle nicht. Die neuen Medien als Wissenspool hinterfragt Yogeshwar kritisch. “Unser höchstes Risiko ist der Klick in die Suchmaschine. Wir verlernen, Kopfreisen zu wagen.” Dabei würden wir mit “viel zu viel beziehungslosem Müll überhäuft.” Dies verändere die Gesellschaft. “Alles hat ein Preisschild. Wir unterliegen dem Diktat des Konsums. Jugendliche nennen ‘Shoppengehen’ ernsthaft eine Aktivität, als sei das etwas besonderes.”, kritisiert der vielfach ausgezeichnete Journalist. Ganz andere Erfahrungen hat der vierfache Vater in seiner Kindheit in Indien gemacht: “Kluge Menschen, die nicht reich waren, wurden extrem respektiert. Heute musst du mit einem 300-PS-Wagen vorfahren, sonst wirst du nicht gehört.”

 

Quelle: EMOTION Verlag GmbH, Bildquelle: ARD

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