Rückschritt in die Isolation: Sofia seit 11 Wochen zuhause

Rückschritt in die Isolation: Sofia seit 11 Wochen zuhause

Die kleine Sofia hat in ihrem jungen Leben schon viele Hürden genommen: Mit zwei Monaten erkrankte sie schwer an Blutkrebs, mit sechs Monaten erhielt sie Stammzellen eines fremden Spenders. Es folgten Monate der Isolation. Das normale Leben mit Kindergarten und Spielplatzbesuchen begann für die Familie erst, als Sofia zweieinhalb Jahre alt war. Nun wirft die Coronakrise die drei Kölner wieder weit zurück. Bereits seit kurz vor Karneval befindet sich Mama Jacqueline mit ihrem kleinen Wirbelwind in kompletter sozialer Quarantäne. Erdrückend groß ist die Sorge der Eltern, dass die Vierjährige sich infizieren könnte. Woche elf – und kein Ende in Sicht.

Wir dachten, wir wären durch mit dem Thema Isolation“, seufzt Jacqueline Marotta im Telefonat mit der DKMS. „Und jetzt das. Ehrlich gesagt war die Zeit nach Sofias Transplantation fast angenehmer. Damals durften wir zumindest ihre Großeltern sehen.“ Blutkrebspatienten, auch geheilte, gelten als Risikogruppe in Corona-Zeiten. Ihr Immunsystem ist nicht so stark wie das gesunder Menschen. Schon lange vor dem offiziellen Kontaktverbot hatten die Eltern ihr Kind daher nicht mehr in den Kindergarten gebracht, zu ungut war ihr Bauchgefühl. „Wir malen und basteln jetzt viel“, erzählt die 35-jährige Mutter, während Sofia im Hintergrund durch die Drei-Zimmer-Wohnung im Kölner Süden flitzt. „Jeden zweiten Tag backen wir Kekse. Wir machen Knete selbst, haben eine Schaukel in Sofias Zimmer gehängt und ein neues Puppenhaus aufgebaut.

Und trotzdem kommt Langeweile auf – bei Mutter und Tochter. Papa Enzo (33) fährt weiterhin jeden Tag zur Arbeit und hat somit etwas Abwechslung. Die Tage zu Hause sind indes lang: „Vor halb zehn Uhr abends schläft Sofia nie, sie hat einfach enorm viel Energie“, sagt die Mutter. Täglich videotelefoniert Sofia mit ihrer Oma. Gelegentlich stellt Jacqueline das Telefon dabei ins Kinderzimmer – dann wird „gemeinsam“ gespielt. An schönen Tagen macht Sofia mit Mama einen „Ausflug“ auf den Balkon. Vor die Tür wagt sich Jacqueline nicht mehr: „Das ist kein entspanntes Spazierengehen mehr. Ständig kommt einem jemand entgegen, so dass ich überlege, die Straßenseite zu wechseln. Und wenn ich dann auch noch Menschen in Grüppchen zusammenstehen sehe, ist das purer Stress für mich.

Am dritten August jährt sich der Tag von Sofias Transplantation zum vierten Mal. Familie Marotta hat dafür ein Fest geplant, zu dem auch der Spender, ein junger Mann aus der Nähe von Dessau, eingeladen ist. „Wir hoffen sehr, dass wir dieses Fest feiern und bis dahin unsere Isolation wieder verlassen dürfen“, sagt Jacqueline.

In der Zwischenzeit wird Sofia weiter Knete herstellen und Kekse backen. Und ihre silberne Krone tragen. „Mami, look, a queen“ (Mami, schau, eine Königin), rufe sie dann immer, berichtet die Mutter lachend. Das Englische hat sich das pfiffige Kind von einem Kinderkanal auf YouTube abgeschaut. „Am liebsten zählt sie auf Englisch oder erklärt, welche Gegenstände welche Form haben.“ Trotz der kniffligen Lage steht für die Mutter der kleinen Königin eins fest: „Wir sind gesund, das ist die Hauptsache.

Lesen Sie auch: „Warum mich das Schicksal einer kleinen Patientin besonders berührt“ von Jennifer Andersen auf unserem Blog dkms-insights.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text – und Bildquelle: DKMS

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