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Als Jana Winter ein Brief mit anonymen Koordinaten zugespielt wird, ist ihre Neugier geweckt. Die Suche führt sie in den sogenannten Gespensterwald im Naturschutzgebiet Geltinger Birk. Was sie dort auffindet, ähnelt einem hastig zusammengezimmerten Sarg. Darin die Überreste einer jungen Frau, keine 25 Jahre alt, die bereits zwei Jahre unter der Erde liegt.

Bei einem DNA-Datenabgleich stellt sich heraus, dass keine Vermisstenanzeige für „Sunny“, wie Kriminalhauptkommissar Matthias Hamm die unbekannte Tote nennt, vorliegt. Erst eine DNA-Ahnensuche führt die Kommissare nach Dänemark, in das Haus des Ärztepaares Bruun. Die sehen keinen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden ihrer geliebten Tochter Helle und dem schrecklichen Fund im Wald. Für die schwer erkrankte Frau Bruun ist der Besuch eine Belastung. Die 21-jährige Helle sei zwar vor zweieinhalb Jahren zu ihrem Freund Marcel Cordes nach Schleswig-Holstein gezogen – man sei verkracht, habe aber dennoch regelmäßigen Kontakt. Vor allem wenn die Eltern mal wieder Geld schicken sollen.

Die Kommissare ermitteln den Aufenthaltsort von Marcel Cordes. Der junge Mann behauptet, Helle Bruun habe ihn bereits vor zwei Jahren verlassen. Und er gibt zu, das Geld ihrer Eltern veruntreut zu haben.

Im Verlauf der Ermittlung tut sich eine weitere Spur auf – eine junge Frau aus Kappeln, die vor zwei Jahren nach einer Party verschwand: Sarah Heinemann. Da damals keinerlei Hinweise auf ein Verbrechen vorlagen, ermittelte die Polizei nicht. Als Kriminalrätin Jana Winter nun aber einen Zusammenhang zwischen Sarah Heinemann und Helle Bruun entdeckt, ist sie alarmiert: Zwei junge Frauen. Beide kannten Marcel Cordes. Beide verschwinden im selben Zeitraum. Eine ist tot.

Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller

Jana Winter                      Natalia Wörner

Matthias Hamm                Ralph Herforth

Alwa Sörensen                  Lisa Werlinder

Leo Winter                        Jacob-Lee Seeliger

Mikael Bruun                    Stephan Kampwirth

Winka Bruun                     Petra van de Voort

Marcel Cordes                  Ben Felipe

Sarah Heinemann             Lilia Herrmann

Tatjana Heinemann          Julika Jenkins

Meltem Ergün                   Idil Üner

Helle Bruun                       Emilia Eidt

Emilian                             Jacob Speidel

Ben                                   Alex Junge

Flloyd                               Leon Ndiaye

 

Interview mit  Natalia Wörner

Die Reihe geht auf eine gemeinsame Idee zwischen Ihnen, der Produzentin Jutta Lieck-Klenke und der Regisseurin Judith Kennel zurück. Wie kam es zum Titel „Unter anderen Umständen“?

Die Geschichte, die wir nie müde werden zu erzählen, ist wie folgt: Im Jahr 2005 war der Auftakt einer Reihe mit mir als verdeckter Ermittlerin geplant. Genau in diesem Jahr wurde ich schwanger und bin zu Jutta Lieck-Klenke gegangen, um ihr die frohe Botschaft zu verkünden und gleichzeitig für die neu angedachte Reihe abzusagen. Eine schwangere verdeckte Ermittlerin war als Figur – zumindest vor 20 Jahren – nicht denkbar.

Nach kurzer Überlegung haben Jutta und ich beschlossen, den vorhandenen Stoff umzuschreiben und aus der Figur der verdeckten Ermittlerin eine schwangere Kommissarin zu machen, die mit dickem Bauch einfach weiterarbeitet – so wie andere schwangere Frauen das auch tun. Das war die Geburtsstunde von Jana Winter und ihrem Sohn Leo. Mit von der Partie war von Anfang an die Regisseurin Judith Kennel, die die Reihe in 20 Filmen unermüdlich und konstant begleitet und maßgeblich geprägt hat. Dass mit und durch meine Schwangerschaft eine Reihe entstand, die dann auch noch titelgebend ist und uns alle so lange begleitet, ist mit eines der schönsten Geschenke meiner filmischen Biografie.

Seit 2006 läuft „Unter anderen Umständen“ nun als Krimireihe mit konstant hohen Quoten im ZDF. Wie erklären Sie sich die anhaltende Popularität der Reihe?

Die Besonderheit dieser Reihe liegt sicherlich in der Authentizität der Figuren. Jana Winter und ihre Kollegen sind echte Menschen, denen man beim Denken, beim Streiten, beim Ermitteln und mittlerweile auch beim Leben und Älterwerden zuschauen kann. Es ist ein sehr bodenständiges Team, eingegliedert in ein eher kleinstädtisches Milieu. Das hat nicht zuletzt auch deshalb viele Identifikationsmomente, die den Menschen gefallen. Die Figuren sind nie statisch, weder in ihrer eigenen Entwicklung noch in der Entwicklung innerhalb des Teams. Dabei sind sie verlässlich wie Freunde, die man über Jahre begleitet. Wir erzählen, was der Alltag eines Ermittlers mit den jeweiligen Charakteren macht. Jenseits der Routine gibt es Platz für Zweifel und Hadern, und das ist zutiefst menschlich. Ich glaube, dass die unterschiedlichen Charaktere der agierenden Kommissare zur Identifikation einladen und die treuen Zuschauer*innen uns über die Jahre einfach liebgewonnen haben.

Wie prägen Landschaft und Klima die Krimireihe?

Die visuell skandinavische Anmutung der Reihe hat „Unter anderen Umständen“ sowohl was die Landschaft als auch das Klima betrifft von Anfang an mitgeprägt. Aber nicht nur äußerlich. Sie ist auch innerlich stilbildend, denn es ist eine eher kühle, spröde Landschaft, die sich nicht durch Opulenz entfaltet, sondern eher durch Reduktion. Die Poesie, die sich in dieser Landschaft entfaltet, konnte ich über die Jahre selbst entdecken. Ich habe als Süddeutsche die Schönheit des Nordens für mich in diesen Jahren entdeckt, und er ist wie eine zweite Heimat geworden.

Welcher Fall hat Sie am meisten berührt?

Das ist eine schwierige Frage, weil es so viele Fälle und Konstellationen gab, die mich sehr berührt und beschäftigt haben. In „Das Versprechen“, in dem eine Mädchengruppe einen Suizid plant und durchführt, schaue ich als Mutter auf das Schicksal von jungen Menschen, die in ihrer Isolation und Einsamkeit diesen Weg wählen. Dieser Film hat mich sehr berührt und beschäftigt. Er ist auch ein Spiegelbild einer Generation, die mit vielen Anforderungsebenen erwachsen werden muss, die hadert und sich teilweise vergeblich bemüht, damit klarzukommen. Der Film ist ein sehr ehrliches und aufwühlendes Portrait einer Generation geworden.

Wie würden Sie die junge Jana Winter im Vergleich zur heutigen Jana Winter beschreiben?

Ich glaube, charakterlich ist es tatsächlich ein kontinuierliches Älterwerden: Sie ist weiser, reflektierter und erfahrener. Der große berufliche Wechsel kam, als Jana befördert und dadurch die Vorgesetzte eines früheren Kollegen und ihres eigenen Vorgesetzten wurde, der private Schwierigkeiten hatte. Also wurde sie Chefin der Truppe, und in dieser Rochade lag sicherlich beruflich eine große Herausforderung für Jana Winter, die sie relativ unaufgeregt gemeistert hat.

Persönlich gab es für Jana am Anfang der Reihe einen großen Bruch, als ihr Mann und Vater des gemeinsamen Sohnes, gespielt von Matthias Brandt, verstarb, und sie fortan als alleinerziehende Mutter dastand. Dieser Verlust innerhalb der Kernfamilie war und ist sicher auch ein prägendes Merkmal der Reihe: Wir erzählen über Jahre eine Mutter, die den Karren alleine schleppt. Wir begleiten und beobachten das Großwerden des Sohnes in dieser Konstellation. Wie in dem Film „Boyhood“, der über zehn Jahre mit denselben Protagonisten erzählt wird, zeigen auch wir seit 20 Jahren Leben, Erwachsenwerden, Älterwerden. Das ist schon sehr intensiv.

Wieviel Natalia Wörner steckt in Jana Winter?

Ich habe irgendwann mal Jana Winter als meine Schwester im Norden bezeichnet und genauso fühlt es sich an.

Ihr eigener Sohn Jacob-Lee Seeliger ist, mit einer Unterbrechung von einigen Jahren, von Beginn an als ihr Sohn Leo Winter mit dabei. Wie ist es, mit dem eigenen Sohn zusammen zu drehen?

Das ist einmalig und sehr besonders und für mich auch als Schauspielerin immer wieder eine neu zu erstastende Aufgabenstellung. Es hat uns beiden über die Jahre eine ganz eigene Spielweise abverlangt und geschenkt, die sich logischerweise auch massiv verändert hat. Je nach Alter wurden die Themen und die Art des Spiels natürlicherweise anders und die Ebene, auf der wir uns begegnen. Mittlerweile findet das auf Augenhöhe statt – buchstäblich … (lacht) … obwohl, mein Sohn ist anderthalb Köpfe größer als ich.

Zwei Sätze über ihren Kollegen Ralph Herforth, der als ihr Kollege Matthias Hamm seit dem ersten Film dabei ist:

Ralph ist einmalig und Hamm ist es auch. Ich kenne Ralph seit über 30 Jahren und habe zu ihm eine brüderliche, schwesterliche, innige Freundschaft. Es gibt keine Lebensphase, die wir beide in den letzten 30 Jahren nicht wechselseitig erlebt und begleitet haben.

Hamm gehört zu der Sorte Männer, die es eigentlich gar nicht mehr gibt. Er ist der letzte Macho und man kann ihm fast nichts übelnehmen. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Männern seiner Generation. Er ist der Klassiker – der klassische, harte Kerl mit weichem Kern und einer sanften Seele. Und je älter Ralph wird, desto charmanter, feinfühliger und liebevoller wird Hamm, der trotzdem ab und an auch ein „kleines Arschloch“ sein darf.

Und wie hat sich die Zusammenarbeit zwischen Jana Winter und Matthias Hamm im Laufe der Zeit verändert?

Ich finde, die beiden sind ein tolles Team – sie kennen sich, sie schätzen sich, sie können sich lesen. Sie wissen auch, was der andere nicht sagt. Und das ist das Geheimnis dieser Arbeitsfreundschaft: vollkommenes Vertrauen, absolute Verlässlichkeit und eine große, tiefe Zuneigung, die auch in Konfliktsituation nie verletzend oder respektlos wird. Die beiden sind füreinander ideal und wären in einem anderen Leben und in einer anderen Reihe vermutlich das perfekte Paar.

Seit dem 16. Fall unterstützt Lisa Werlinder als Alwa Sörensen, Kommissarin mit dänischen Wurzeln, das Team. Welche Akzente setzt sie für die Reihe?

Lisa alias Alwa ist eine wunderbare weibliche Ergänzung im Team. Die beiden Frauen haben auf einer sehr natürlichen Ebene null Konkurrenz miteinander. Im Gegenteil, ihr Verhältnis ist geprägt von großer Loyalität und Solidarität, und jede hat ihre Spezialisierung, die von der anderen wertgeschätzt wird. Alwa ist ja unser Hackergenie und hat damit ein Alleinstellungsmerkmal. Durch ihre lässige skandinavische Art bringt sie eine Form von Weiblichkeit mit in den Raum, die vollkommen liebenswert ist und ihren ganz eigenen Platz hat.

Interview mit Ralph Herforth

Seit 2006 läuft „Unter anderen Umständen“ nun als Krimireihe mit konstant hohen Quoten im ZDF. Wie erklären Sie sich die anhaltende Popularität der Reihe?

Die Zuschauer*innen und wir altern gemeinsam.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach „Unter anderen Umständen“ von anderen Krimireihen?

Manchmal sehr gute Drehbücher.

Sie sind seit 20 Jahren an der Seite von Natalia Wörner mit dabei. Zwei Sätze über ihre Kollegin:

Natalia und ich sind seit vielen Jahrzehnten befreundet, und es macht einfach Spaß, mit Freunden zu arbeiten. Wir lachen viel zusammen.

Ihre Frau Zora Holt hat als Autorin viele Drehbücher beigesteuert. Tauschen sie sich während des Entstehungsprozess über die Geschichten aus?

Nein, aber ich bekomme das fertige Exposé als Erster zu lesen und darf Kritikpunkte äußern, die dann (manchmal) umgesetzt werden.

Welcher Fall hat Sie am meisten berührt?

„Das Mädchen ohne Namen“

Wie würden Sie den jungen Matthias Hamm im Vergleich zum heutigen Mattias Hamm beschreiben?

Damals deutlich aggressiver, Hamm ist altersmilde geworden.

Wie viel Ralph Herforth steckt in Matthias Hamm?

Viel. Wir sind wie ein zusammen alt gewordenes Ehepaar. Wir zoffen und wir lieben uns, wir gehen uns auf den Sack, aber wir kommen auch ohne einander nicht aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text – und Bildquelle: ZDF, Fotocredit: ZDF/Joachim Gern.

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