Köln stellt in diesem Jahr 373 Millionen Euro für den Schulbau bereit

Die Stadt Köln nutzt die Sommerferien 2021 dazu, um 78 Bau- oder Sanierungsmaßnahmen an 63 der 266 Schulstandorte durchzuführen. Damit werden allein im Bereich der Bestandsgebäude mehr als 16 Millionen Euro in die laufende Instandhaltung und Instandsetzung bestehender Schulen investiert. Für das gesamte Jahr 2021 sind im Wirtschaftsplan dafür 62,5 Millionen Euro vorgesehen.

Aktuell arbeitet die städtische Gebäudewirtschaft darüber hinaus an weiteren 79 Neubau-Großprojekten für Schulen, die sich in Planung oder bereits im Bau befinden. Für sie stellt die Gebäudewirtschaft in ihrem aktuellen Wirtschaftsplan 2021 für Neubau, Erweiterungsbau und Generalinstandsetzung 373 Millionen Euro für Großbauprojekte im Schulbau bereit. Dies bedeutet im Vergleich zum hohen Budget von 2020 (274 Millionen Euro) erneut eine massive Erhöhung um fast 100 Millionen Euro. Nach aktuellem Stand werden elf Bauvorhaben in 2021 fertiggestellt.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker: „Wir investieren in diesem Jahr eine noch höhere Summe in den Schulbau und für die Sanierung der bestehenden Schulen als im vergangenen Jahr. Die vielen Aktivitäten an unseren Schulen und an Interimsstandorten werden mehr und mehr auch für die Öffentlichkeit sichtbar. Nun zahlt sich aus, womit wir vor einigen Jahren mit der Neuausrichtung von Vergabeformen und Beschaffungen begonnen haben. Auch die Berücksichtigung von Investoren- und Anmietmodellen bringt erste Erfolge. Dies bestätigt unsere Strategie. Ich bin zuversichtlich, so dem Schulnotstand in Köln weiter entgegenzuwirken.“

Exemplarisch für die vielen Schulbauvorhaben in Köln werden im Folgenden drei Projekte vorgestellt: der Neubau für ein neu zu gründendes Gymnasiums an der Zusestraße in Lövenich durch ein Totalunternehmen (TU), der Interimsbau bestehend aus fünf zweigeschossigen Containerhäusern zur Generalsanierung und Erweiterung des Dreikönigsgymnasiums an der Escher Straße in Bilderstöckchen durch ein Generalunternehmen (GU) sowie die Sanierung und Erweiterung in engster Bebauung und bei laufendem Schulbetrieb der Grundschule Kretzerstraße in Nippes, ebenfalls durch ein Generalunternehmen. Alle drei präsentierten Schulbauprojekte gehören zum 1. GU/TU-Maßnahmenpaket Schulbau, das mit General- oder Totalunternehmen umgesetzt wird. Der Rat der Stadt Köln hatte im April 2017 den Weg für dieses erste Sonderprogramm freigemacht.

In diesem werden 22 Bauvorhaben (Neubauten, Erweiterungen, Generalinstandsetzungen und Interimsbauten) an elf Standorten in einem beschleunigten Verfahren unter der Leitung der Gebäudewirtschaft durch Generalunternehmen oder Totalunternehmen geplant und/oder baulich umgesetzt. Es erlaubte der Gebäudewirtschaft erstmals diese Vergabeform, während sie zuvor und auch sonst an die europaweite Ausschreibung pro Gewerk gebunden ist. Dies stellte bei Baustellen mit bis zu 50 Einzelgewerken oft ein Vergabehemmnis dar und nahm in den Genehmigungsprozessen, an die die öffentliche Hand gebunden ist, zu viel Zeit in Anspruch. Im Juli 2019 wurde dieses erste Programm von ursprünglich 15 auf 22 Bauvorhaben erweitert und den aktuellen Marktbedingungen angepasst. Der prognostizierte Kostenorientierungswert für die Realisierung der 22 Bauvorhaben liegt bei mehr als 520 Millionen Euro. Alle Bauprojekte liegen im Zeitplan, 15 GU/TU-Vergaben sind erfolgt. Treten keine wesentlichen Hemmnisse auf, werden trotz weiter enger Marktlage und Lieferschwierigkeiten wie geplant bis zum Schuljahresbeginn 2022/2023 alle erforderlichen Schulplätze gesichert oder zusätzlich geschaffen sein.

Im Juni 2020 hat der Rat die Planungsaufnahme für das 2. GU/TU-Maßnahmenpaket Schulbau beschlossen. Das Paket umfasst 49 Schulbaumaßnahmen an 20 Standorten mit Planungs- und Bauleistungen im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro. Dazu gehören auch die Neubauten zweier Gesamtschulen: Im Hasental in Köln-Deutz und Gesamtschule Fitzmauricestraße in Köln-Ossendorf. Eine erste Strukturierung der Projekte ist bereits erfolgt.

Eine übergeordnete Multiprojektsteuerung überwacht derzeit die erste Realisierung mit den Schulstandorten Gilbachstraße, Fitzmauricestraße, Paul-Humburg-Straße, Gutnickstraße, Kattowitzer Straße und Rochusstraße. Für dieses Paket wird derzeit das Vergabeverfahren vorbereitet. Mit einer Beauftragung wird im dritten Quartal 2021 gerechnet. Für die weiteren Projekte werden Architekturbüros beauftragt, um Fragen nach Generalinstandsetzung oder Neubau zu klären. Für diese Vorhaben soll in der zweiten Jahreshälfte 2021 eine zweite Multiprojektsteuerung ausgeschrieben werden. Mit allen bereits beschlossenen Schulbauprojekten mit General- oder Totalunternehmen werden stadtweit 22.000 Schulplätze baulich gesichert oder zusätzlich geschaffen. 

Zum Neubau des Gymnasiums an der Zusestraße:

Im Oktober 2020 legte Oberbürgermeisterin Henriette Reker an der Zusestraße den Grundstein für die Schulneugründung. Nur neun Monate später steht der Rohbau kurz vor der Bauabnahme. Am Rande eines Gewerbegebietes entsteht ein zusätzliches Gymnasium mit Dreifachturnhalle und Außensportanlagen als Teil des städtischen Sportentwicklungsplans. An der Stelle, wo nun der Schulneubau entsteht, befand sich früher ein römischer Gutshof mit mehreren Wohn- und Wirtschaftsbauten. Die wertvollen archäologischen Befunde wurden durch das Römisch-Germanische Museum dokumentiert und gesichert.

Eckdaten und Besonderheiten:

  • Der Neubau wird in Clusterbauweise errichtet. Cluster sind Raumgruppen, in denen Lern- und Unterrichtsräume gemeinsam mit den zugehörigen Differenzierungs-, Aufenthalts- und Erholungsbereichen eine Einheit bilden. Sie dienen als variabel nutzbare, zentrale Lernlandschaften.
  • So gehört zu dem Auftrag an die Gebäudewirtschaft auch ein Selbstlernzentrum.
  • Die Sporthalle wird im nördlichen Grundstücksteil liegen, das Schulhaupthaus, das sich in drei Gebäudeteile gliedert, im südlichen Grundstücksteil.
  • Alle Bauten erhalten Gründächer und werden überwiegend mit Photovoltaik ausgestattet.
  • In die 22.000 Quadratmeter großen Außenanlagen wird ein grünes Klassenzimmer integriert.
  • Zum Schuljahresbeginn 2022/2023 soll das neue Gymnasium fertig sein.

Zur Generalsanierung Dreikönigsgymnasium Escher Straße:

Dass Grundstückssuche und Bau einer Interimsschule kaum weniger aufwändig und zeitintensiv sind wie bei konventionellen Schulbauvorhaben, zeigt das Interim zur Auslagerung und Generalsanierung plus Erweiterung für das Dreikönigsgymnasiums (DKG) im Bürgerpark Nord an der Escher Straße. Kölns ältestes Gymnasium mit derzeit rund 720 Schulplätzen wird generalsaniert, aufgestockt und erhält Erweiterungsbauten für Ganztagsbereiche. Dazu mussten der Schulbetrieb (bis auf den Sportunterricht) und die Mensa komplett in eine Containeranlage, bestehend aus fünf zweigeschossigen Containerhäusern (54 Container insgesamt), ausgelagert werden.

Die Suche nach einem geeigneten Ausweichquartier war außergewöhnlich intensiv, sie dauerte 21 Monate. Die Realisierung des Ausweichquartiers gelang schließlich nur dank einer befristeten Ausnahmegenehmigung des Naturschutzbeirats, denn der Landschaftsplan sah im Bürgerpark Nord keine Bauflächen vor. Der Naturschutzbeirat stimmte im Mai 2019 der Nutzung einer Teilfläche des Parks zu. Ein landschaftspflegerischer Begleitplan wurde entwickelt, der die vorgeschriebenen so genannten „Vermeidungs-, Minderungs- und Kompensationsmaßnahmen“ hinsichtlich des Eingriffs in die Grünfläche verbindlich festschreibt.

Rund 12.000 Quadratmeter des insgesamt rund 61.200 Quadratmeter großen Bürgerparks werden für die Schule genutzt. Die vorhandenen Wegführungen bleiben erhalten und sind öffentlich nutzbar. Die Ertüchtigung der Teilfläche des Parks stellte eine besondere Herausforderung dar, da es sich um ein ehemaliges Deponiegelände mit Altlasten handelt und daher besondere Abdichtungsmaßnahmen erforderlich waren.

Eckdaten und Besonderheiten:

  • Das bestehende Gebäude – ebenfalls an der Escher Straße – stammt aus dem Jahr 1977.
  • Es wird nun entkernt und die Fassade sowie das Dach werden zurückgebaut.
  • Anschließend erfolgen am Rohbau statische Eingriffe, um einen neuen Aufzug und ein neues Treppenhaus zu errichten, bevor Ende des Jahres mit den eigentlichen Bau- und Neubauarbeiten begonnen werden soll.
  • Im Inneren wird die bestehende Flurschule nach aktuellem pädagogischen Konzept zu einer Clusterschule mit offenen Lernbereichen umgestaltet.
  • Die Außenanlagen mit dem Schulhof und den dazugehörenden Sportanlagen werden ebenfalls neu gestaltet.
  • Die Sporthalle bleibt erhalten und der Sporthallenbetrieb wird auch während der Bauphase weiter möglich sein.
  • Plan ist es, dass das DKG Mitte 2024 in seinen alten Standort zurückkehren kann.

Zur Erweiterung des Schulstandortes Kretzerstraße:

Welche logistischen Herausforderungen eine Sanierung und Erweiterung einer Schule mit sich bringen kann, wird am Schulstandort der Inklusiven Offenen Gemeinschaftsschule an der Kretzerstraße in Nippes besonders deutlich. Insgesamt fünf Gebäude sind hier in engster Lage und bei laufendem Schulbetrieb neu zu bauen oder zu sanieren, was auch die Vergabe erschwerte. Zunächst waren zwei Versuche, einen TU zu beauftragen, gescheitert. Darum wurde das Vorhaben an ein Generalunternehmen vergeben.

Eckdaten und Besonderheiten:

  • Errichtet werden vier Erweiterungsbauten, die über einen Innenhof erschlossen werden. Nach Bezug wird das Bestandsgebäude generalsaniert.
  • Neben den erforderlichen Unterrichtsräumen entstehen Verwaltungsräume und zwei Mehrzweckräume, die der Arbeit in kleineren Gruppen dienen, eine Bibliothek, eine Großküche mit angrenzendem Speiseraum sowie neue Umkleideräume für den Unterricht in der bestehenden Gymnastikhalle, die ebenfalls saniert wird.
  • Um den dringend benötigten Platz für die Schule zu schaffen und die vorhandene Grundstücksfläche (4.793 Quadratmeter) in engster Lage bestmöglich auszunutzen, werden zunächst das alte Hausmeisterhaus, die Umkleiden der Gymnastikhalle sowie die Mensa abgerissen. Das ermöglicht eine Zügigkeitserhöhung von derzeit zwei auf dann drei Zügen pro Jahrgang.
  • Die Rohbauarbeiten wurden am 27. Mai 2021 erfolgreich beendet und abgenommen.
  • Die Schule bekommt Photovoltaikanlagen sowie ein grünes Klassenzimmer für Freiluftunterricht.
  • Im Bereich der nördlichen Grundstücksgrenze entsteht eine barrierefreie Anbindung an das bestehende Schulhauptgebäude. Die Erweiterung soll bis zum Schuljahresbeginn 2022/2023 abgeschlossen werden.

Begrenzte Erschließungsmöglichkeiten machten es erforderlich, den Pausenhof im Sommer 2020 für voraussichtlich zwei Jahre in den nahegelegenen sieben Hektar großen Nordpark auszulagern, damit die vorhandene Fläche auf dem Schulgrundstück für die Baustelleneinrichtung zur Verfügung steht. Der Interimsschulhof ist etwa 200 Meter entfernt und durch eine Kleingartenanlage sicher erreichbar. Die rund 1.200 Quadratmeter große Fläche bietet ausreichend Platz und wurde mit zwei Sanitärcontainern sowie einem Multifunktionsspielgerät ausgestattet und kürzlich von den Schüler*innen mit einer „Monsterparade“ (Malwettbewerb) noch einmal kindgemäß aufgewertet. Der vorübergehende Pausenhof wurde bestmöglich in das Parkumfeld und die Begrünung integriert, um nicht mehr als unbedingt nötig in die Umgebung einzugreifen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Stadt Köln, Fotocredit: KNJ/Martina Uckermann