Im August wurden in einem Wald bei Norderstedt vier Kaninchen ausgesetzt. Ein Tier starb, die überlebenden kamen in das Tierheim in Henstedt-Ulzburg. Dort gingen im November Hinweise ein, die auf die Influencerin Alicia Vosgrau als vormalige Halterin der Kaninchen hindeuteten. Anfang Dezember gab sie an, dass ihre Familie die Kaninchen aufgrund von Überforderung und im Glauben, damit etwas Gutes zu tun, im Wald zurückgelassen habe. Zuvor hatte die Familie aber im September einen zweiten Hund zu sich genommen. Dafür, dass die Influencerin ihre „Haustiere“ wie Dinge behandelt, die austauschbar sind und derer man sich einfach entledigen kann, verleiht PETA Alicia Vosgrau den Negativpreis „Speziesismus des Monats“ im Dezember.

„Die Kaninchen wie ausgedientes Spielzeug zu entsorgen und sie einfach im Wald sich selbst zu überlassen, ist abscheulich und verantwortungslos“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Wer so das Leid und sogar den Tod von fühlenden Lebewesen riskiert, ist nicht in der Lage, Tiere zu halten und verantwortungsbewusst zu versorgen. Umso schockierender ist es, dass die Familie kurze Zeit nach der ‚Entsorgung’ der Kaninchen einen neuen Hund bei sich aufgenommen hat. Dabei bedeuten Hunde genau wie die kleinen Nager eine lebenslange Verantwortung, die man übernehmen muss.“

PETA hat am 29. Dezember bei der Staatsanwaltschaft Kiel Strafanzeige wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gegen die mutmaßlich verantwortlichen Personen erstattet. Bereits Anfang Dezember hatte die Tierrechtsorganisation die zuständigen Behörden in diesem Fall kontaktiert und ein Tierhalteverbot für die Familie gefordert, das derzeit geprüft wird. Die Tierrechtsorganisation weist darauf hin, dass das Aussetzen von Tieren eine Straftat darstellen kann.

Im Jahr 2025 hat die Tierrechtsorganisation zahlreiche ähnliche Fälle bearbeitet und kann von mindestens 74 ausgesetzten Kaninchen berichten, wobei nicht alle Tiere überlebt haben. Die tatsächliche Anzahl der Fälle wird aber vermutlich noch sehr viel höher liegen.

Hintergrundinformationen

Kaninchen sind keine „Spielgefährten“ für Kinder

Kaninchen sind nach Katzen und Hunden die drittbeliebtesten Haustiere in Deutschland. Sie werden gern als pflegeleichte und anspruchslose Tiere dargestellt, die als „Spielgefährten“ für Kinder geeignet seien. Doch das Gegenteil ist der Fall: Kaninchen sind Fluchttiere, ausgesprochen sensibel und oftmals krankheitsanfällig. Eine artgerechte Haltung der beliebten Kleintiere ist aufwändig und kompliziert – von der Ernährung bis hin zu den passenden Haltungsbedingungen. Viele von ihnen werden häufig unüberlegt angeschafft und fristen nicht selten ein langes, trauriges Dasein in einem Käfig. Dabei brauchen die Tiere viel Platz und Auslauf. Kaninchen müssen rennen, springen und buddeln können. Dafür ist täglicher Freilauf nötig. Sie dürfen keinesfalls alleine gehalten werden. Die sozialen Tiere sind auf artgleiche Partner angewiesen, um ihr Bedürfnis nach Sozialverhalten und Kommunikation befriedigen zu können. In guter Haltung können Kaninchen zehn Jahre oder älter werden.

PETAs Negativpreis „Speziesismus des Monats“

PETA zeichnet monatlich Personen, Unternehmen oder Produkte mit dem Negativpreis „Speziesismus des Monats“ aus, die sich als besonders speziesistisch und tierfeindlich gezeigt haben. Nach einem Jahr wird für den skandalösesten Fall unter den bisherigen „Gewinnern“ der Titel „Speziesismus des Jahres“ verliehen, der in einer öffentlichen Abstimmung ermittelt wird. PETA möchte mit dem Preis die Gesellschaft für das Thema Speziesismus sensibilisieren und zum kritischen Reflektieren, Umdenken und tierfreundlichen Handeln anregen. Denn speziesistisches Denken schafft die Grundlage dafür, dass Tiere für menschliche Zwecke wie selbstverständlich benutzt, gequält und getötet werden.

Speziesismus – die Diskriminierung anderer Arten

Speziesismus beschreibt die Abwertung empfindungsfähiger Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So empfinden viele Menschen Hunde und Katzen als Familienmitglieder und lehnen es ab, sie zu halten, auszubeuten und zu töten wie Schweine, Rinder oder Hühner. Speziesismus betrifft aber auch sogenannte Haustiere: Sie werden zur menschlichen Unterhaltung benutzt, oftmals unter tierschutzwidrigen Bedingungen (qual-)gezüchtet und wie Ware verkauft. Auch für Tierversuche werden sie missbraucht.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: PETA, Bildquelle: Pexels/Mike Birdy

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