Auch über eine Woche nach der Ausstrahlung der ZDF-Dokumentation „Unsere Bahn: Geliebt, verflucht – und gefährlich?“ im Rahmen der Reihe „Am Puls mit Dunja Hayali“ herrscht weiter dicke Luft zwischen der Deutschen Bahn und dem ZDF. Zwar hatte der öffentlich-rechtliche Sender schon kurz nach der Ausstrahlung zwei Stellen des Films korrigiert, doch nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ist der Streit damit noch nicht vom Tisch.
Dem Bericht zufolge hat die Deutsche Bahn das ZDF aufgefordert, „den Film in weiteren Teilen umfangreich zu verändern und offline zu nehmen“, heißt es. Die der Redaktion „bekannten entlastenden Tatsachen“ habe man „nahezu vollständig verschwiegen“, lautet der Vorwurf der Bahn, die damit argumentiert, dass man seit Jahren erheblich in die Digitalisierung der Schieneninfrastruktur investiere und allein im vergangenen Jahr 64 Stellwerke erneuert worden seien. Zudem liege bis Ende 2026 „ein verbindlicher Rollout-Plan für die digitale Zugsteuerung im gesamten Schienennetz“ vor. Mit Blick auf den Zugunfall von Burgrain im Juni 2022 habe man außerdem „weitreichende Konsequenzen“ gezogen und dies dem ZDF auf Anfrage vor der Ausstrahlung erläutert.
Man wehre sich daher nicht nur „gegen die Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen in der ZDF-Doku“, heißt es. Vielmehr verweist man auch auf eine aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, wonach auch eine unvollständige Berichterstattung rechtswidrig sein könne, „wenn wesentliche Fakten weggelassen wurden und dadurch ein Zerrbild der Wirklichkeit entsteht“.
Mit Blick auf die Zahl der Stellwerke, die vom ZDF in der Doku mit null angegeben wurden, obwohl es in Wirklichkeit drei sind, rechtfertigt sich das ZDF laut „FAZ“ damit, dass man sich bei der Bahn erkundigt habe und auf eine Statistik verwiesen worden sei, in der keine digitalen Stellwerke vermerkt gewesen seien. Hinsichtlich der nach Auffassung der Bahn zu unterlassenden Textpassagen sei hingegen „nicht ersichtlich, welche im Gesamtkontext der Berichterstattung wesentlichen Tatsachen bewusst verschwiegen worden sein sollen“. Ehrverletzende Schlussfolgerungen habe man nicht gezogen und auch nicht nur negative Punkte angeführt, an vielen Stellen würden Fortschritte hervorgehoben.
Beim ZDF will man derweil auch keine weiteren Änderungen an der Doku vornehmen. „Die aktuell im ZDF-Streaming abrufbare Fassung weist keine inhaltlichen Mängel auf“, stellte der Sender schon vor einer Woche klar. Die „FAZ“ berichtet indes, dass das ZDF bereits eine Unterlassungserklärung abgegeben hat – allerdings „im Sinne eines Entgegenkommens“ und „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und ohne Präjudiz für die Sach- und Rechtslage“, wie es im Antwortschreiben heißt, aus dem die Zeitung zitiert. Die übrigen Ansprüche der Bahn erachtet das ZDF dagegen als „unzulässigen Versuch, eine kritische Berichterstattung in Gänze zu unterbinden“. Nun bleibt abzuwarten, ob der Streit vor Gericht fortgesetzt wird.
Quelle: DWDL/ZDF/Alexander Krei, Fotocredit: ZDF/Felix Korfmann
