Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise

In einer Sache sind sich die Wirtschaftsforscher einig: Der Westen befindet sich in der tiefsten Rezession, die je ohne Kriegseinwirkung gemessen wurde; man geht etwa davon aus, dass die Wirtschaftsleistung Deutschlands im Jahr 2020 um 6 Prozent einbrechen wird.

Nach aktueller Einschätzung könnte es ab der zweiten Jahreshälfte aber wieder aufwärtsgehen. So glauben die Wirtschaftsforscher, dass die Unternehmen wie Bürger die Ausgaben nachholen, die aufgrund der Beschränkungen aufgeschoben wurden. Und auch mit Blick in die Zukunft sind viele Wirtschaftsforscher optimistisch: 2021 könnte nämlich alle Rekorde sprengen, wenn die Geldspritzen der Notenbanken wie Konjunkturpakete die Erholung befeuern.

Eine Rechnung mit vielen Unbekannten

Das Kernszenario, das immer wahrscheinlicher wird: Der Rückgang der Wirtschaftsleistung ist besorgniserregend, da jedoch die Staaten mit voluminösen Finanzspritzen die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie abfedern, mag zwar am Ende die Corona-Krise in die Geschichtsbücher als eine der schlimmsten medizinischen Krisen aller Zeiten eingehen – aus konjunktureller Sicht scheint die Krise jedoch bald überstanden zu sein.

Doch letztlich handelt es sich zum aktuellen Zeitpunkt um eine Rechnung mit einigen Unbekannten. Zudem kommt noch der Aspekt hinzu, inwiefern die Wirtschaftsstrukturen verändert werden. Man kann sehr wohl davon ausgehen, dass es zu einer Einschränkung der Globalisierung kommen wird. Das heißt, der grenzüberschreitende Verkehr von Produkten wie Waren, Dienstleistungen und Menschen wird eine Veränderung erleben, da Staaten nun selektiv die heimischen Anbieter wie auch Branchen gegenüber den ausländischen Anbietern begünstigen werden.

Zudem werden die großen Unternehmen immer größer, während den kleineren Betrieben das Wasser bis zum Hals steht – und etliche Kleinbetriebe werden ertrinken. Und das sind die wohl schlechtesten Nachrichten: Sinkt nämlich die Wettbewerbsintensität, so leiden vor allem die Konsumenten darunter – denn man muss schon fast davon ausgehen, dass die Preise deutlich ansteigen werden.

Große Unternehmen genießen einen Wettbewerbsvorteil

Je länger also die aktuelle Weltwirtschaftskrise dauert, umso größer wird die Pleitewelle, die in erster Linie die kleineren Betriebe treffen wird. Wer für ein paar Monate keine Umsätze erzielt, kann sich mit staatlichen Kreditprogrammen über Wasser halten – doch wenn das Geschäft nicht wieder schlagartig anspringt, wird in weiterer Folge der Konkurs angemeldet werden müssen, weil man überschuldet ist.

Auch wenn von Seiten der deutschen Bundesregierung versucht wird, eine riesige Pleitewelle zu verhindern, so geht es bei genauerer Betrachtung auch hier nur um die großen Unternehmen: Denn die großen Konzerne dürfen sich über eine ganz andere Unterstützung freuen – hier besteht sogar die Chance, dass der Staat einsteigt. Unternehmen, die etwa über 249 Mitarbeiter haben und einen jährlichen Umsatz von über 50 Millionen Euro erzielen, können auf 100 Milliarden Euro des Wirtschaftsstabilisierungsfonds zugreifen. Der Bund kann auch Eigenkapital zuschießen – beispielsweise, wenn er sich als stiller Teilhaber engagiert oder neue Aktien erwirbt. Letztlich eine Ungleichbehandlung, die dafür sorgt, dass die größeren Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil genießen.

Wie geht es weiter?

Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass Krisen natürlich die Konzentration begünstigen. Ein ähnliches Bild hat sich im Zuge der Wirtschaftskrise 2008 gezeigt. Jedoch gibt es einen Unterschied zur letzten Wirtschaftskrise – diesmal geht es nicht nur rein um den Bankensektor, sondern um eine beinahe synchron verlaufende Krise, die fast jede Branche betrifft. Das heißt, entsprechend umfassend könnten die Konzentrationsprozesse ausfallen.

In den letzten 20 Jahren gab es immer nur zwei wirksame Hebel, um eine Übermacht zu verhindern: die Wettbewerbspolitik sowie die Globalisierung. Denn als die Märkte in den 1980er Jahren geöffnet wurden, entstand ein deutlich höherer Konkurrenzdruck. Auch jene Konzerne, die in die Rolle der nationalen Platzhirsche geschlüpft waren, mussten immer wieder auf das Auftauchen internationaler Wettbewerber Acht geben. Nur die Existenz eines potentiellen Wettbewerbs kann die Macht von Big Business einschränken.

Nun sind die Wettbewerbsbehörden gefragt. Die nationalen Kartellämter wie die EU-Kommission müssen davon ausgehen, in absehbarer Zukunft mit Arbeit überhäuft zu werden – sie sind gefragt, wenn es darum geht, die ungezügelte Marktmächte zu brechen, Kartelle zu sprengen oder Beteiligungen durch den Staat zurückzudrängen. Die Krise mag zwar bald überstanden sein, die Auswirkungen wird man aber noch lange spüren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: United Words, Bildquelle: Pixabay

 

 

 

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