Als Janis Lyn Joplin am 19. Januar 1943 in Port Arthur, Texas als Tochter von Seth Ward Joplin, einem Mitarbeiter der Ölgesellschaft Texaco, und Dorothy Joplin (geb. East) geboren wurde, ahnte noch niemand, dass sie eines Tages die Welt der Musik komplett auf den Kopf stellen sollte. Sie hatte eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder. In ihrer Kindheit begann sie zu zeichnen und zu schreiben (besonders Gedichten), las viel und sang im Kirchenchor. Ihre Mutter setzte auf das Talent ihrer älteren Tochter im Zeichnen und sorgte dafür, dass sie privaten Kunstunterricht bekam. Nach dem Abschluss der Thomas Jefferson High School im Jahr 1960 schrieb sie sich für ein Kunststudium am Lamar College in Beaumont, Texas, ein. Janis reiste oft in das nahe gelegene Louisiana, um Blues-Cover-Bands zu hören. Janis Joplin hörte zudem Musiker wie Leadbelly, Bessie Smith, Odetta und Big Mama Thornton. Diese Blues- und Folk-Künstler waren es, die den fruchtbaren Boden bereiteten, in den Janis Wurzeln schließlich eindringen sollten. Janis Joplin erklärte später einmal, dass sie in der High School geächtet und gemobbt wurde. Als Teenager war sie pummelig und litt an Akne, die Narben hinterließ und eine Dermabrasion (Die Dermabrasion ist ein mechanisches Verfahren zur Abschleifung der Haut. Anm. d. Red.) erforderte. Andere Kinder in der High School verspotten sie und nannten sie „Schwein“, „Freak“, „Niggerliebhaber“ oder „Ekel“. Sie sagte damals über sich: „Ich war ein Außenseiter. Ich habe gelesen, ich habe gemalt, ich habe nachgedacht. Ich habe Nigger nicht gehasst.“ (Das „N“ Wort wurde und wird von uns nie genannt. Wir distanzieren uns mit aller Deutlichkeit! Es entspricht aber dem original Zitat von Janis Joplin. Anm. d. Red.)

Am College in Austin fiel sie wegen ihrer Kleidung als Außenseiterin auf.

Janis Joplin wuchs in einer Zeit auf, wo die Rassentrennung ein heikles Thema war, genau wie die Gleichstellung der Frau in einer von Männern dominierten Welt. Am College in Austin fiel sie wegen ihrer Kleidung als Außenseiterin auf. Nachdem sie 1960 ihren High School-Abschluss bestanden hatte, ging sie im Alter von 18 Jahren nach Kalifornien, um Sängerin zu werden. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte sie Ende 1961 im Halfway House in Beaumont in Texas. Sie versuchte sich an einigen Colleges, brach aber das Studium vorzeitig ab. Dann zog sie nach Los Angeles. Sie sang, unter anderem begleitet von Jorma Kaukonen (Gitarrist von Jefferson Airplane) in Kneipen und Folk-Clubs. Autodidaktisch geschult durch Schallplatten von Leadbelly, Odetta Holmes und Bessie Smith, ihrem größten Vorbild, avancierte sie mit ihrem hemmungslosen, bis dahin für eine weiße Sängerin einzigartigen Gesangsstil zur Queen des weißen Bluesrock. Nachdem Joplin 1962 in Louisiana als Kellnerin gearbeitet hatte, kehrte sie nach Texas zurück, um in Austin ein Appartement, das später als The Ghetto bekannt wurde, zu beziehen. Am College in Austin fiel sie wegen ihrer Kleidung als Außenseiterin auf. Tonangebende Studenten organisierten eine Kampagne, um sie zum „hässlichsten Mann auf dem Campus“ zu wählen und waren erfolgreich. Janis Joplin kränkte das sehr. Schon immer war sie Spott und Hohn ausgesetzt, aber das war mit Abstand eines der schlimmsten Kränkungen, die sie in ihrem jungen Leben ertragen musste. Während der Zeit in Austin traf Janis schließlich auf Chet Helms, dem sie nach San Francisco folgte. 1963 galt der Stadtteil North Beach als die Antwort der Westküste auf Greenwich Village in New York City. Erneut sang Janis Joplin in Bars und Kaffeehäusern, oft begleitet von ihrer Autoharp, einer amerikanischen Version der Zither, die häufig im Bluegrass und Country Verwendung findet. Sie tat es jedoch nicht nur aus Spaß an der Sache.

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Sie fing an, Methedrin zu nehmen, trank hochprozentigen Schnaps und nahm Heroin

Zum einen war Janis ohnehin finanziell nicht auf Rosen gebettet, zum anderen musste sie zusehen, ihre zunehmende Faszination für Drogen finanziert zu bekommen. 1964 war ihre musikalische Karriere ins Stocken geraten, der Drogenkonsum hatte dafür den Platz eingenommen. Sie fing an, Methedrin zu nehmen, trank hochprozentigen Schnaps und nahm Heroin. Aber Janis Joplin war nicht in der Lage, mit diesem Lebensstil umzugehen. In der Hoffnung, ihre wachsende Sucht zu überwinden, zog sie zurück nach Port Arthur.1965 trat sie dann mit der Jazzband von Dick Oxtot auf. Im Frühsommer 1966 rief Chet Helms, ein Bekannter seit 1963 und Manager von Big Brother and the Holding Company, bei ihr an und teilte ihr mit, dass die Band eine Sängerin suche.Die Legende der Janis Joplin war geboren 1966 begann Joplins Karriere, als sie nach San Francisco zog und sich besagter Band anschloss, mit der sie 1967 erfolgreich beim Monterey Pop Festival auftrat, dadurch einen Plattenvertrag bei Mainstream Records von Bob Shad erhielt und dort Big Brother the Holding Company Featuring Janis Joplin herausbrachte. Janis Joplin blieb ihrem extravaganten Modestil treu. Gekleidet in einem samtigen Outfit und von Kopf bis Fuß mit Perlenketten behangen, begeisterte sie die Menge mit ihrer sexuell aufgeladenen Interpretation von Ball and Chain. Die Legende der Janis Joplin war geboren. Mit der Aufmerksamkeit stiegen die Gagen. Letztlich trennte sich Janis mit ihrer Band von Chet Helms und setzte mit Albert Grossmann einen der führenden Akteure im Musikbusiness jener Zeit als den neuen Manager von Big Brother and the Kozmic Holding Company ein. Aus finanzieller Sicht war dies sicherlich ein kluger Schachzug. Grossmann organisierte einen lukrativen Plattenvertrag mit CBS/Columbia Records, die das Debüt-Album der Band veröffentlichten. Die Platte verkaufte sich gut, doch Janis war nicht zufrieden – vor allem wegen der schlechten Kritiken, die die Band in der Presse erfuhr. 1968 folgte für Columbia Records Cheap Thrills (Frontcover von Robert Crumb). Das zweite Album enthielt schon viele ihrer bekannt gewordenen Stücke wie die Coverversion von Erma Franklins Piece of My Heart oder Ball and Chain.

Janis Joplin war bei diesem Auftritt stark alkoholisiert, wirkte aufgeschwemmt, verbraucht und ihre Stimme brach oft

Nach den Studioaufnahmen reiste Joplin nach Nepal, wo sie sich im Herbst 1968 für eine Weile in Kathmandu (Liedzeile in Cry Baby: „Honey, the road even end in Kathmandu“ aufhielt. Früher waren wir nur wenige, jetzt gibt es Massen und Massen und Massen von uns. Ende 1968 trennte sich Janis Joplin von der Band und stellte zusammen mit ihrer Plattenfirma eine größere Band zusammen, die lange keinen Namen hatte, aber nach dem folgenden, dritten Joplin-Album Kozmic Blues Band genannt wurde. Der Grund dafür war der Ehrgeiz Joplins, mit einer professionellen Band mit Funk- und Blues-Instrumenten neue Musikrichtungen zu erschließen und professioneller zu arbeiten. Dies wurde unter anderem von der Musikzeitschrift Rolling Stone als Verrat an den Idealen der Rockmusik empfunden. Tatsächlich lief die Zusammenarbeit mit der Band nicht sehr gut, da sich die Musiker vorher nicht kannten und Joplin wenig Erfahrung sowohl als Band-Leader als auch mit dem Arrangieren von Liedern hatte. Die Band hatte ihren bekanntesten Auftritt im Jahre 1969 beim Woodstock-Festival. Joplin war bei diesem Auftritt stark alkoholisiert, wirkte aufgeschwemmt, verbraucht und ihre Stimme brach oft. Ihre Plattenfirma verweigerte aus diesem Grund anfänglich die Erlaubnis, diesen Auftritt filmisch in der Dokumentation Woodstock zu zeigen. Allerdings machte sie eine Bemerkung über die Hippiebewegung, die später oft zitiert wurde: „Früher waren wir nur wenige, jetzt gibt es Massen und Massen und Massen von uns.“ Die Aufnahmen des Woodstockauftritts wurden teilweise erst auf Box of Pearls (1999 bei Sony) bzw. vorher größtenteils 1993 auf einer posthumen CD (siehe Diskografie) durch die Firma ITM veröffentlicht.Trotz ihres gewonnenen Ruhmes ließen sich Janis Unsicherheiten nicht unterdrücken.Im Jahr 1969 trat Joplin im Fernsehen bei Ed Sullivan und Dick Cavett auf. Die Interviews mit Cavett sind auf dem posthum veröffentlichten Album Janis zu hören. Ebenfalls 1969 begab sich die Kozmic Blues Band auf eine zweimonatige Europatournee. Ihr einziges Konzert in Deutschland fand am 12. April 1969 in der Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main statt. Auf der offiziellen Website ist unter dem Datum 12. April 1969 vermerkt: „Kozmic Blues: two concerts in Frankfurt.“ Nach Ende des von der Agentur Lippmann & Rau veranstalteten Konzerts forderte Joplin die Zuhörer auf, zu bleiben, weil nun noch eine Aufzeichnung des amerikanischen Fernsehens folgte. Mitschnitte dieses zweiten Konzerts, bei dem sie die Fans animierte, auf die Bühne zu kommen, sind in der Filmdokumentation Janis (1975) zu sehen. Der Titel Raise Your Hand auf der posthum veröffentlichten LP Farewell Song wurde während des Frankfurter Konzerts live aufgenommen.

Also greift sie zu altbewährten Mitteln: Drogen und Alkohol. Whiskey und Heroin waren dabei die Substanzen ihrer Wahl

Ebenfalls 1969 wurde Joplin in Tampa (Florida) inhaftiert, weil sie einen Polizisten beleidigt hatte. Bei der nachfolgenden Gerichtsverhandlung bezeichnete ein Gericht Joplins Verhalten als freie Meinungsäußerung und ließ die Anklage fallen. Sie wurde aber nach ihrem Konzert in der Curtis Hall wegen obszöner Sprache und Fluchens auf der Bühne zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Januar 1970 löste sich die Band auf. Trotz ihres gewonnenen Ruhmes ließen sich Janis Unsicherheiten nicht unterdrücken. Also greift sie zu altbewährten Mitteln: Drogen und Alkohol. Whiskey und Heroin waren dabei die Substanzen ihrer Wahl. Zwischenzeitlich konsumierte Janis Joplin Heroin im Wert von 200 Dollar pro Tag, zusätzlich zu Amphetaminen und Barbituraten. Durch ihren häufigen Partnerwechsel infizierte sie sich außerdem mit der Geschlechtskrankheit Gonorrhö, besser bekannt als Tripper. Aber Janis Joplin begriff, dass wenn sie jetzt nicht die Notbremse zieht, ihre Karriere und auch ihr Leben ein jähes Ende finden werden. Daher griff sie immer wieder auf Methadon zurück, um die Heroinabhängigkeit zu überwinden, allerdings ohne Erfolg! Als junges Mädchen hat sie Drogen verabscheut, aber als Rockstar waren das ihre Krücken. Janis litt weiter unter den Folgen von Drogenmissbrauch, Tripper und Alkoholismus. Die Karriere stagnierte und so gründete sie – vom Ehrgeiz getrieben und um wieder an alte Erfolge anzuknüpfen – eine neue Band. Full Tilt Boogie! Sie harmonierten hervorragend und begannen im September 1970 damit, die Songs für das geplante Album Pearl in Los Angeles aufzunehmen. Die Sessions fanden in den legendären Sunset Sound Studios unter der Leitung von Paul Rothchild statt, der vor allem für seine Zusammenarbeit mit The Doors bekannt war. Ihr letzte öffentliches Konzert spielten sie wenige Wochen zuvor in Cambridge, Massachusetts vor 40.000 Fans. Um endlich von ihrer Sucht nach Alkohol, Heroin, Aufputschmitteln und anderen Drogen loszukommen, plante Joplin einen Urlaub in Südamerika und reiste zum Karneval nach Rio de Janeiro. Nach ihrer Rückkehr nahm sie am 1. Oktober den A-cappella-Song Mercedes Benz auf.

Der Gerichtsmediziner Thomas Naguchi stellte eine akute Morphin-Vergiftung als Todesursache fest, ausgelöst durch eine Überdosis Heroin

Am 3. Oktober, kurz vor dem Ende der Studioaufnahmen, war Joplin das letzte Mal im Sunset-Sound-Studio, um Bänder mit Titeln anzuhören, die sie an den folgenden Tagen einsingen sollte. Am Abend des 3. Oktober ging sie in die Bar Barneyâ’s Beanery am Santa Monica Boulevard, trank dort einige Gläser, um darauf zum Landmark Hotel zurückzukehren, wo sie wiederholt Heroin konsumierte. Als sie am nächsten Tag bis nachmittags nicht wie vereinbart im Studio auftauchte, fuhr John Cooke zum Landmark Motel (heute Highland Gardens Hotel, in dem Joplin seit dem 24. August wohnte, um nach ihr zu sehen. Er fand sie tot auf dem Fußboden liegend. Sie lag neben ihrem Bett, aus dem sie bewusstlos gefallen war. Der Gerichtsmediziner Thomas Naguchi stellte eine akute Morphin-Vergiftung als Todesursache fest, ausgelöst durch eine Überdosis Heroin. Als junges Mädchen hat sie Drogen verabscheut, aber als Rockstar waren das ihre Krücken, die ihr halfen auf der Bühne zu funktionieren und dem Druck des harten Musikbusiness gewachsen zu sein. Dabei wollte Janis Joplin niemals ein Star sein. Das Einzige was sie wollte, war Musik machen, auf der Bühnen stehen und ihre eigenen Songs zu performen. Aber das Geschäft hatte sie im Griff und letztendlich auch ihre Hilfsmittel Drogen und Alkohol, die das taten, was sie verhindern wollte. Sie töteten die Ausnahmesängerin mit der rauchigen Stimme am 4. Oktober 1970 und das im Alter von gerade mal 27 Jahren!1995 wurde Janis Joplin in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Am 4. November 2013 wurde auf dem Walk of Fame in Hollywood der 2510. Stern enthüllt, er trägt Joplins Namen. Bei der Zeremonie waren neben Angehörigen und Fans auch ihr Entdecker Clive Davis sowie Kris Kristofferson, der noch einmal Me and Bobby McGee sang, anwesend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text: Martina Uckermann, Quelle: Wikipedia, Fotocredit: Sony Music/Copyright: Elliot Landy/Wikipedia

Ein Gedanke zu „Janis Joplin: wild, frei und einsam. Der Erfolg und das traurige Ende einer Blues Ikone“
  1. Wie schön, dass man hier der Blues-Ikone ohne Pathos gedenkt. Schön geschrieben. Interessante Informationen, die mir vorher noch gar nicht bekannt waren. Danke für die Mühe, denn so viel liest man ja nicht mehr über Janis Joplin und auch die Musiksendungen vergessen sie, wie man Silvester sehen konnte in …die 100 besten Songs. Da waren alle möglichen Stars dabei. Von Janis Joplin aber kam nichts. Danke daher für dieses Gedenken.

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