Das Geschäft mit dem ‚Wundermittel‘ Magnesium läuft. Jährlich geben die Deutschen mehr als 200 Millionen Euro für Magnesium-Präparate aus. Das Verbraucher-Magazin des rbb hat für die aktuelle Ausgabe zehn Produkte unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: viele Firmen machen mit falschen und sogar ungesetzlichen Versprechen Werbung. Die Dosierungsangaben sind mitunter falsch oder sogar gefährlich für die Gesundheit.

Besonders erschreckend: Teilweise liegt die empfohlene Dosierung weit über der medizinisch empfohlenen Tagesdosis. Bei einigen Produkten werden 300-400 Milligramm angegeben, obwohl die empfohlene Tageshöchstdosis für Magnesium nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nur bei 250 Milligramm liegt. Ein grundsätzliches Problem, so Dr. Britta Schautz von der Verbraucherzentrale gegenüber der Sendung SUPER.MARKT:

„Das große Problem an Nahrungsergänzungsmitteln ist, dass wir keine festen Höchstmengen haben, das heißt jeder Anbieter darf selbst entscheiden, wieviel stecke ich in mein Produkt und muss dafür grade stehen, dass das sicher ist. Dass diese Hersteller am liebsten an alle verkaufen wollen, das sieht man ganz klar an Produkten, die 400mg enthalten und erst im Kleingedruckten sehe ich, das soll zwar für Schwangere und Stillende sein, die sollen aber nur 350mg oder weniger zu sich nehmen. Hier geht es also ganz klar nur ums Geld und nicht um mein Wohlbefinden.“

Die Ernährungswissenschaftlerin bemängelt weiter, dass die Präparate als Nahrungsergänzungsmittel keinen Kontrollen wie Medikamente unterliegen. Das bringe lukrative Vorteile für die Hersteller, bemängelt die Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale: „Die Anbieter können damit richtig viel Geld verdienen, weil diese Produkte sehr günstig herzustellen sind. Zusätzlich ist nicht vorgeschrieben, dass ich Studien zeige, dass das Produkt wirklich wirkt. Ich muss das Produkt nur anmelden.“

Nahrungsergänzungsmittel sind frei verkäuflich und nicht verschreibungspflichtig. Eine Eigentherapie sei aber fahrlässig, findet Prof. Dr. Martin Loss, Chefarzt im Krankenhaus Berlin-Friedrichshain: „Ich beurteile das sehr kritisch, weil häufig gar kein Mangel vorliegt. Hier ist die wissenschaftliche Evidenz überhaupt nicht gegeben. Da haben die Firmen Interesse, Produkte zu verkaufen und zu bewerben mit Effekten, die aber eigentlich wissenschaftlich so nicht nachgewiesen sind.“

Auch in der SUPER.MARKT Stichprobe fallen Unternehmen auf, die mit Gesundheits-Versprechen – sogenannten Health Claims – arbeiten. Da ist die Rede von „maximaler Regeneration“ oder „du beugst schmerzhaften Krämpfen vor.“ Solche Health Claims sind jedoch unzulässig. Seit 2012 ist von der EU geregelt, dass Health Claims weder die Beseitigung, Linderung oder Verhütung von Symptomen suggerieren dürfen. Aus gutem Grund sind solche falschen und irreführenden Werbeversprechen verboten, erklärt Dr. Britta Schautz: „Das sind Aussagen, die sind absolut nicht erlaubt, weil sie wissenschaftlich nicht belegt sind. Aber natürlich stehen diese Behauptungen im Internet und solange kein Kontrolleur kommt und sagt ´ihr dürft das nicht, haben vielleicht schon viele Verbraucher Geld dafür ausgegeben, weil sie dachten das hilft mir jetzt.“ Eine Firma zeigte sich nach den Vorwürfen des rbb einsichtig und versprach, die Angaben zu ändern. Doch meistens braucht man auch gar kein zusätzliches Magnesium, denn in einem normalen Ernährungsplan ist fast immer genug Magnesium enthalten.

Montag, den 30.01.2023 um 20.15 Uhr im rbb-Fernsehen bzw. in der Mediathek.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: rbb, Archivbild/Pexels