Ein Abend mit der Mitbegründerin der Fluxus-Bewegung Mary Bauermeister 

Die charismatische Avantgarde-Künstlerin Mary Bauermeister, geboren 1934, war in den 1960er-Jahren eine der Schlüsselfiguren der sich formierenden Fluxus-Bewegung. Am Freitag, 25. Januar 2019, 19 Uhr, steht sie – mit einer Mischung aus Lesung und Erinnerung – im Kölnischen Stadtmuseum noch einmal auf der Bühne. Begleitet wird sie von ihrem Sohn Simon Stockhausen und dem Künstler Gregor Zootzky. Der Eintritt kostet sieben Euro, ermäßigt fünf Euro.

Eingeleitet wird der Abend mit dem Zeichentrick-Kurzfilm „Psst pp Piano – eine Hommage an Mary Bauermeister“ (10:48 Minuten) von Gregor Zootzky, der 2009 anlässlich des 75. Geburtstags der Künstlerin im NRW Filmforum Premiere feierte. Im Zentrum des Films steht ein besonderes Happening mit Nam June Paik und John Cage in Bauermeisters Atelier. Der Trickfilm bettet Bauermeisters Wirken zudem in den Kontext der künstlerischen Avantgarden von den Dadaisten bis hin zu den Anfängen der Fluxus-Bewegung ein.

In Reminiszenz an die 1960er-Jahre begleitet Simon Stockhausen seine Mutter bei ihrem Auftritt mit Räucherstäbchenmusik – mit „akustischen Instrumenten, live-elektronisch verfremdet und verbogen, untermalt vom Duft diverser Räucherstäbchen“: Eine „nicht ganz ernst gemeinte Ansammlung psychedelischer Wohlklänge mit eingestreuten, surrealen Störfeuern“, so Simon Stockhausen.

Bauermeisters Kölner Atelier war in den 1960er-Jahren ein Zentrum der künstlerischen Avantgarde und zog kreative Köpfe aus der ganzen Welt an. Hier trafen sich experimentelle Künstler wie Joseph Beuys, John Cage, Silvano Bussotti, Nam June Paik, Ben Patterson und Otto Piene – Namen, die später bedeutende Positionen in der Welt der Kunst einnehmen sollten. Die Ausstellungen, Konzerte, Performances, Lesungen und Aufführungen in ihrem Atelier wurden zu einem Katalysator, nicht nur für die Kölner Kunst- und Musikszene. Die Kunstrichtung Fluxus gilt noch heute als eine der radikalsten und experimentellsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts.

Mary Bauermeisters eigenes Werk gehört zu den ungewöhnlichsten und facettenreichsten der zeitgenössischen Kunst. 1962 hatte sie ihre erste internationale Ausstellung mit Karlheinz Stockhausen im Stedelijk Museum (Amsterdam). Bald darauf feierte sie Erfolge in der Galleria Bonino in New York, die sie auf die Titelseite der New York Times brachten. Das hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Künstlerin und kein Künstler geschafft.

Bauermeisters Werke befinden sich heute in bedeutenden internationalen Sammlungen, beispielsweise im Museum Ludwig (Köln), im Museum of Modern Art (New York), im Solomon R. Guggenheim Museum (New York) und im Hirshhorn Museum in Washington D.C. Auch das Kölnische Stadtmuseum besitzt eine ihrer Arbeiten. Der Linsenkasten „pst piano“ ist zurzeit in der Sonderausstellung „KÖLN 68! Protest. Pop. Provokation.“ zu sehen. In den 1960er-Jahren begegnete Mary Bauermeister in Köln dem weltbekannten Komponisten und Wegbereiter der Elektronischen Musik Karlheinz Stockhausen. Aus der Ehe der beiden stammen die gemeinsamen Kinder Simon und Julika.

Simon Stockhausen lernte bereits als Kind zu komponieren und spielte schon als Teenager Saxophon und Synthesizer im Ensemble seines Vaters. Heute ist er ein beliebter zeitgenössischer Komponist und Sounddesigner. Der Abend im Zeichen avantgardistischer Kunst ist Teil des Begleitprogramms zur Sonderausstellung „KÖLN 68! Protest. Pop. Provokation“ im Kölnischen Stadtmuseum. Die Ausstellung wurde wegen des großen Besucherzuspruchs bis 31. März 2019 verlängert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Stadt Köln, Fotocredit: De Caesius (De Caesius (talk))