Welchen Einfluss und welche Auswirkungen hat der Kolonialismus auf das heutige gesellschaftliche Zusammenleben? Um auf diese und viele weitere Fragen im gleichen Kontext Antworten zu suchen, hat sich die Stadt Köln zum Ziel gesetzt, das koloniale Erbe in Köln in den kommenden Jahren umfassend aufzuarbeiten – gemeinsam mit verschiedenen Akteur*innen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft sowie einer Vielzahl von Kölner Kultur- und Bildungsinstitutionen. Der Prozess wird durch verschiedene offene Veranstaltungs- und Beteiligungsformate begleitet. Darüber hinaus soll die Expertise und das Fachwissen der unterschiedlichen Communities der Diaspora und der Zivilgesellschaft durch die Einrichtung eines Expert*innengremiums sichergestellt werden. Dieses Gremium arbeitet beratend und wird interdisziplinär und intersektional ausgerichtet sein, mit dem Ziel, Ideen und Handlungsempfehlungen im Umgang mit dem kolonialen Erbe Kölns zu erarbeiten.

Die Auftaktveranstaltung findet am Freitag, 8. Oktober 2021, 16 Uhr, im VHS-Forum statt und wird als Livestream auf der Seite https://www.meinungfuer.koeln/ veröffentlicht, wo alle Bürger*innen die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen. Die Veranstaltung wird durch ein Awareness-Team sowie Gebärden- und Schriftdolmetscher*innen begleitet.

Der Livestream ist verfügbar unter:

https://www.meinungfuer.koeln/#href=%2Fnode%2F3690&container=%23main-content

„Die Auseinandersetzung mit der Kolonialzeit ist im kollektiven Gedächtnis Deutschlands noch wenig präsent. Auch Kölns Rolle in der Kolonialzeit wurde bislang nur unzureichend beleuchtet“, sagt Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Gleichwohl habe diese Zeit „Spuren in der Stadt hinterlassen, sichtbar oder im Verborgenen“. Reker: „Indem wir uns der kolonialen Vergangenheit stellen und uns mit unserem Erbe auseinandersetzen, öffnen wir als Stadtverwaltung ein neues Kapitel der Erinnerungskultur und wollen auch Vorbild für andere Kommunen sein.“ Die hohe gesellschaftliche Bedeutung des Themas spiegelt sich in einer Vielzahl an Stereotypen und Bildern wider, die in der Kolonialzeit verwurzelt sind und die bis heute nachwirken. Nicht nur Sprache, auch Bilder kolonialer Ausprägung sind nach wie vor präsent. Sie prägen das Handeln und die Einstellungen gegenüber Menschen, Regionen, Kulturen, Religionen sowie Lebens- oder Geschlechtsmodellen mit. Die Erinnerungen an die Kolonialzeit und ihre Protagonisten sind im öffentlichen Stadtbild durch Straßennamen und Denkmäler sichtbar und erfahren öffentliche Anerkennung und Ehrung.

Dies wird unterschiedlich wahrgenommen: Für die, die mit den Straßennamen und Denkmälern ihre beziehungsweise die Geschichte ihrer Vorfahren in Verbindung bringen, sind diese Darstellungen tägliche Erinnerungen an eine Zeit der Ausgrenzung und Diskriminierung. Für andere sind sie Teil der auch im Stadtbild präsenten Stadtgeschichte. Wieder andere ordnen sie keinem bestimmten historischen Kontext zu und wohnen beispielsweise über Jahre in Straßen oder historisch benannten Vierteln, ohne Hintergrund und Bedeutung der Namen zu kennen. Ziel des Projektes ist es, eine Diskussion zum Umgang mit den Themen Postkolonialismus und koloniales Erbe der Stadt Köln zu ermöglichen, die auch den breiten gesellschaftlichen Kontext des Themas berücksichtigt. Unter anderem dadurch, das auch vom Kolonialismus betroffene Gruppen aktiv in den Diskurs eingebunden werden. Neben Fragen nach dem Umgang mit sichtbaren Spuren jener Zeit soll auch die Bedeutung der Kolonialgeschichte, als eine Ursache für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung, in den Fokus gerückt werden.

Die Geschäftsführung für das Projekt liegt bei der Stelle zum Abbau und zur Prävention von Intoleranz, Diskriminierung und Ausgrenzung. Das Verfahren zur Gründung des Gremiums sowie die Berufung der Expert*innen startet unmittelbar nach der ersten Veranstaltung zur Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Gründung ist bis Anfang 2022 vorgesehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Stadt Köln, Fotocredit: KNJ/Martina Uckermann