„Bitte nimm ab!“ – Wieso Anrufe von ‚Unbekannt‘ ignoriert werden

„Bitte nimm ab!“ – Wieso Anrufe von ‚Unbekannt‘ ignoriert werden

Bei einem gemütlichen Lunch mit Freunden klingelt plötzlich das Telefon. Ein einziger Blick auf das Display reicht oftmals für die Entscheidung, den Hörer nicht abzunehmen: Die Nummer ist unbekannt, der Anrufer nicht im Adressbuch eingespeichert. In Gesellschaft zu telefonieren wäre auch unhöflich. Doch selbst in Situationen, in denen Angerufene allein zu Hause verweilen, tendieren viele dazu, das Telefonklingeln zu ignorieren. Insbesondere dann, wenn die Nummer nicht nur unbekannt, sondern sogar unterdrückt ist oder aus dem Ausland kommt. Welche Gründe es dafür gibt, erklärt Thomas Wrobel, Gründer und CTO der Spam-Schutz-App Clever Dialer, und verrät hilfreiche Tipps gegen die Hemmung vor dem Abheben.

Unbekannt, unterdrückt oder aus dem Ausland: Versteckt sich Spam dahinter?

Sobald das Handy-Display eine unbekannte Nummer anzeigt, fängt das Hirn an zu rattern. Auch Telefonnummern mit ausländischer Vorwahl lassen die Köpfe rauchen: Aus welchem Kontext könnte die Nummer bekannt sein? Bei unterdrückten Rufnummern ist die Wahrscheinlichkeit noch höher, dass der Anruf sogar direkt abgelehnt wird. Viele befürchten in derartigen Fällen, ungewollte Werbe- oder Spam-Anrufe zu bekommen, denen sie lieber aus dem Weg gehen.

Tipp: Einen einmalig verpassten Anruf entschuldigen viele mit dem Mindset: Wenn es wichtig war, wird derjenige sicher noch einmal anrufen oder sich per Mail melden. Ein beliebtes Vorgehen ist auch, die Nummer im Internet zu recherchieren. Meist bleiben die Erfolge hier aber aus. Manchmal klingelt eine unbekannte Nummer unentwegt durch. In diesen Fällen hilft das Blockieren des Anrufers. Auch können verdächtige Nummern bei der Bundesnetzagentur gemeldet werden. Eine weitere Möglichkeit bieten Apps, die vor potenziellen Spam-Nummern warnen und Anrufer, die in öffentlichen Verzeichnissen eingetragen sind, identifizieren. Beispiele dafür sind die Android-Apps von Das Örtliche und Das Telefonbuch.

Der Angst vor dem Telefonieren in kleinen Schritten entgegentreten

Bei manchen Menschen dreht sich in einer solchen Situation jedoch nicht nur das Gedankenkarussel, sondern auch der Magen um. Sie haben Hemmungen, überhaupt zu telefonieren. Wenn eine unbekannte Nummer auf dem Display erscheint, werden Betroffene mit jedem Klingeln zusehends nervöser. Daran ist die Vermutung geknüpft, von dem Telefonat überrumpelt und in eine unangenehme Situation gebracht zu werden. Anders als in einer Chat-Konversation bleibt den Telefonierenden wenig Zeit für schlagfertige oder auch wohlbedachte Antworten. Zudem fehlt, wie beispielsweise bei einer persönlichen Unterhaltung, vielen das nonverbale Feedback des Gegenübers. Das erschwert es, die Situation einzuschätzen.

Tipp: Telefonieren ist für die meisten etwas Ungewohntes. Daher gilt es zuerst, mit der Vermeidungsstrategie zu brechen und sich öfter dazu durchzuringen, zum Hörer zu greifen. Die Großeltern oder Freunde anzurufen, kann hier ein erster Anlauf sein. Generell ist es wichtig, kleine Schritte zu machen und sich selbst nicht zu übernehmen. Mit der Zeit wird auch das Annehmen von Anrufen unbekannter Telefonnummern problemloser. Wen die Angst vor dem Telefonieren jedoch derart einschränkt, dass es den Alltag massiv beeinflusst, der sollte sich therapeutische Hilfe suchen. 

Telefonieren ist ein Generationen-Ding: Jüngere greifen lieber zu Chat-Alternativen

Besonders ungewohnt ist das Telefonieren für die jüngeren Generationen, die jeden Kontakt in ihrem Handy speichern. Viele von ihnen mussten ein Telefon mit Wählscheibe und ohne Displayanzeige nie nutzen. Wer in Zeiten der digitalen Kommunikation aufgewachsen ist, bevorzugt Chat- und Sprachnachrichten, die keine direkte Interaktion oder sofortige Antwort erfordern. Das belegt auch die JIM-Studie 2021: 78 Prozent der befragten Jugendlichen nannten WhatsApp als ihre wichtigste heruntergeladene App, auch Snapchat wird viel zur Kommunikation genutzt. Es existieren heutzutage folglich mehr und auch beliebtere Alternativen zum Telefonieren als Briefe und das gute alte Fax-Gerät.

Tipp: Der eingehende Anruf wurde verpasst? Dann lassen sich mit diesem Lifehack die Chancen auf einen Rückruf steigern: Wird die unbekannte Nummer im Adressbuch eingespeichert, kann das Profilbild im Messenger-Dienst angesehen werden – sofern es die Einstellungen desjenigen erlauben. Ist der Anrufer dann bekannt, kann man ohne Bedenken zurückrufen. Von einem direkten Rückruf ohne Überprüfung der Nummer ist generell abzuraten. Sogenannte Ping-Calls bedienen sich exakt dieser Masche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Clever Dialer, Archivbild/Pexels

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