Corona-Stress: Wie kommt man gelassen durch die Feiertage?

Corona-Stress: Wie kommt man gelassen durch die Feiertage?

Für die Wenigsten ist die Weihnachtszeit mit Ruhe, Gelassenheit und Besinnlichkeit verbunden – das war schon immer so. In diesem Jahr stellt die Pandemie die Gesellschaft vor zusätzliche Herausforderungen und durch all die Informationen, Regularien und Maßnahmen wird die emotionale Aufladung des Weihnachtsfestes zusätzlich verstärkt. Denn statt Glühweinstand und großem Familienfest steht plötzlich Rückzug ins eigene Heim und in den kleinen Kreis auf dem Feiertagsprogramm. Wie kann man trotzdem Gelassenheit praktizieren und den Jahreswechsel schön gestalten? Diese Frage haben die Expert*innen der IUBH Internationale Hochschule in einfachen Tipps zusammengefasst.

Ganz nüchtern betrachtet sind Veränderungen ein Bestandteil des Lebens und die aktuelle Situation ist keine Ausnahme. Akzeptanz ist der erste Schritt zu mehr Gelassenheit, Resilienz (die seelische Widerstandskraft) und der bewusste Umgang mit den Informationen sind im zweiten Schritt entscheidend.

Tipps für mehr Resilienz und den bewussten Umgang mit der Berichterstattung von Prof. Dr. Regina Kostrzewa und Dr. Jürgen Rauter

  1. Suchen Sie Gemeinschaft – wenn auch „nur“ auf digitalem Weg: Soziale Beziehungen sind wichtig für jeden Menschen, das hat dieses Jahr mehr als nur einmal bewiesen. Gemeinsames Geschenkeauspacken via Videokonferenz, eine Tasse Punsch mit den besten Freunden am Telefon. Fotos vom Weihnachtsspaziergang via WhatsApp. Die Digitalisierung bietet glücklicherweise viele Möglichkeiten. Vor allem, wenn Sie ganz alleine sind: Planen Sie soziale Ereignisse für jeden Tag.
  2. Fördern Sie ein positives Selbstbild: Sie haben in diesem Jahr nicht alles geschafft, was Sie sich vorgenommen haben? Sie fühlen sich einsam und allein? Erstens: Das ist okay und zweitens: Ist das wirklich so? Machen Sie eine Liste mit den Dingen, die Sie erreicht haben – trotz der Herausforderungen 2020. Erstellen Sie eine Liste mit den wichtigsten fünf bis zehn Punkten  und hängen Sie diese gut sichtbar auf – etwa mit ein paar Magneten am Kühlschrank. Und ergänzen Sie die erste Liste noch durch eine zweite: Was schätzen Sie an sich am meisten? Diese Liste macht sich gut am Badezimmerspiegel.
  3. Fördern Sie „gesunde“ Gewohnheiten: Keine Sorge, das bedeutet alles andere als Verzicht.   Gehen Sie pro Tag eine halbe Stunde spazieren oder nehmen Sie ein Bad. Meditieren Sie vor dem Einschlafen oder tanzen Sie 10 Minuten zu Ihren Lieblingssongs – klingt banal, hat aber ein großes Wirkungspotenzial.
  4. Behalten Sie eine optimistische Erwartungshaltung bei: Es ist wie es ist. Daran kann gerade niemand etwas ändern. Statt Worst Case-Szenarien zu spinnen, kann man den Fokus auf etwas Positives legen. Und wenn das Glas halb leer ist, schütten Sie einfach ein bisschen Punsch nach (am besten alkoholfrei).
  5. Setzen Sie sich kleine Ziele und Anreize für die Zukunft: Das erste Wiedersehen mit den besten Freundinnen, das gemeinsame Fußballspielen mit den Kumpels, der Kurztrip in den Schnee nach Österreich – planen Sie schöne Dinge für die Zukunft. Denn: Vorfreude ist die schönste Freude und bewirkt nachweislich die Ausschüttung positiver Botenstoffe, und selbst wenn es nicht klappen sollte, dieses positive Gefühl kann Ihnen keiner mehr nehmen.
  6. Seien Sie vorsichtig im Umgang mit Verschwörungstheorien: Sie  kleiden sich in ein wissenschaftliches Gewand (weil der Begriff „Theorie“ dies suggeriert). Achten Sie darauf, dass viele davon höchst spekulativ oder reine Behauptungen sind. „Wissenschaftlich“ daherkommende Beiträge, die weder Beweise noch Quellenangaben liefern bzw. keine konkreten Studien angeben, auf die sie sich beziehen, sind letztlich nur Behauptungen, mit denen jemand Stimmung machen will.
  7. Treffen Sie aktive Entscheidungen bei der Auswahl und Gewichtung der Informationen, mit denen Sie konfrontiert sind: Steuern Sie die Informationsaufnahme, wenn Sie den Eindruck bekommen, dass der Medienkonsum Sie mehr belastet als informiert. Also auch mal lieber das Weihnachtsmärchen oder einen guten Krimi statt die Tagesschau schauen.
  8. Last, but not least: Wie wäre es damit, wieder einmal zu einem klassischen Buch zu greifen, anstatt am Display den Nachrichten hinterher zu hecheln? Vielleicht bietet diese Weihnachten auch die Chance, stehenzubleiben, die Zeit zu entschleunigen und damit die Möglichkeit, mehr Zeit für sich zu haben. Nutzen Sie die Zeit für Achtsamkeitstrainings, sie sind nachweislich eine der besten Selbstheilungsmethoden.

Den Dingen ihren Lauf lassen und die Ruhe genießen

Die Bewältigung der Pandemie bedeutet auch eine kontinuierliche öffentliche und persönliche Auseinandersetzung mit Risiken und Vorsichtsmaßnahmen. Prof. Dr. Boris Friele, diplomierter Psychologe und Professor für Soziale Arbeit an der IUBH, dazu: „Die Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung über Fallzahlen und Pandemie-Indikatoren aller Art soll nicht zuletzt dazu dienen, dass wir ein realistisches Gefahrenbewusstsein entwickeln und unser Verhalten entsprechend anpassen. Die Problematik liegt allerdings darin, dass die Informationsflut  eine allgemeine Ängstlichkeit, Anspannung und Aufgeregtheit begünstigt. Diese Art von Stress schadet jedoch sowohl dem sozialen Miteinander als auch der individuellen Immunität und es kann zu einem paradoxen Nebeneffekt kommen: Statt maßvoller Vorsicht, angepasster Zwischenmenschlichkeit und Solidarität kann die individuelle Immunität geschwächt und können  soziale Aversionen erzeugt werden.“ Daher lautet der Haupttipp: Einfach mal nicht darüber nachdenken, den Dingen ihren Lauf lassen und die Ruhe genießen.

Über die IUBH Expert*innen

Regina Kostrzewa ist seit Oktober 2018 Professorin für Soziale Arbeit im Dualen Studium der IUBH Internationalen Hochschule am Standort Bremen. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen gesundheitsbezogene Soziale Arbeit sowie den Methoden und Instrumenten pädagogischen und psychologischen Handelns. Nach 25 Jahren Berufspraxis ist sie ausgewiesene Präventionsexpertin und bietet viele Gesundheitsseminare für den Alltag an.

Jürgen Rauter ist seit 2005 Dr. phil. und war mehrere Jahre an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf an den Lehrstühlen für Germanistik und Informationswissenschaft sowie im Studiendekanat der Philosophischen Fakultät tätig. Schwerpunkte seiner Lehre waren Methoden der Textwissenschaft, Literaturwissenschaft, Ideologieforschung und Informationspolitik & Fehlinformation (Manipulation). Aktuell arbeitet er in der Wissenschaftlichen Koordination der IUBH und betreut die Bereiche Controlling und Qualität der Lehre.

Boris Friele ist seit Oktober 2017 Professor für Soziale Arbeit am Standort Berlin der IUBH Internationalen Hochschule. Seine Schwerpunkte in der Lehre umfassen die Einführungen in die Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit sowie das Fach Psychologie. Der diplomierte Psychologe befasste sich in seiner Dissertation mit den theoretischen Grundlagen systemtheoretischer Ansätze in der Psychologie und der Sozialen Arbeit. Dabei beschäftigte er sich insbesondere aus einer subjekt- und gesellschaftstheoretischen Perspektive mit aktuellen Entwicklungen familientherapeutischer Konzepte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: IUBH Internationale Hochschule GmbH, Archivbild/Pexel

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