Ende des Monats erscheint die Juni-Ausgabe des Magazins Monumente der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Beispielhaft werden darin fünf Förderprojekte vorgestellt, die für die rund 450 Restaurierungsmaßnahmen in diesem Jahr stehen. Über das Haus Ungers in Köln schreibt Julia Greipl:

„Doch, er steht tatsächlich vor dem Ungershaus. Dem privaten Wohn- und Bürohaus des Architekten Oswald Mathias Ungers (1926–2007) im Kölner Stadtteil Müngersdorf. Es ist das erste seiner drei privaten Wohnhäuser. Der damals gut 30-Jährige entwarf es 1959 für seine Familie und sein Architekturbüro. ‘Er hat seine eigenen Bauten immer als Laboratorien begriffen, hier konnte er alles ausprobieren’, erzählt Sophia Ungers. Als Kunsthistorikerin und jüngstes von drei Kindern des Architekten ist die 58-Jährige Vorsitzende der Stiftung, die das Erbe für die Nachwelt bewahrt. Sie kümmert sich um den Erhalt des Hauses, das sie selbst mehr als ‘Heimathafen’ denn als durchgängig bewohntes Elternhaus empfand. … Das Haus war ständig im Wandel begriffen, wurde erweitert und verändert. Sophia Ungers erklärt: ‘Er wollte ausprobieren, er wollte Änderungen – aber immer innerhalb seines eigenen Systems.’

So erweiterte Ungers es dreißig Jahre später um ein eigenes Gebäude für seine wertvolle Bibliothek und das Archiv. Programmatischer könnten diese beide Baukörper nicht sein: bewegt, asymmetrisch, dicht der ältere Teil. Ruhig, symmetrisch, offen der neuere. ‘Der frühe Ungers war gar nicht quadratisch’, sagt Sophia Ungers. So fallen im Wohn- und Bürogebäude von 1959 die unterschiedlichen Deckenhöhen auf, die verschiedenen Bodenbeläge sowie die variantenreichen Zuschnitte der Räume. Das Bibliotheks- und Archivgebäude von 1989 hingegen basiert auf einem quadratischen Grundriss, ebenso die Maueröffnungen und die Deckengestaltung mit ihren Oberlicht-Würfeln.

Ungers‘ Experimentierfreude fordert nun ihren Tribut: Durch die Kastenrinnen, eine umgebaute Außentreppe und mehrere Flachdächer dringt Feuchtigkeit. Einige Fensterscheiben sind blind geworden und zwei große Wasserspeier brüchig. Bund und Land fördern, und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Instandsetzung der beiden Wasserabläufe sowie der Außentreppe. Im nächsten Bauabschnitt sind Teile der Dächer, Mauern, Fenster und Bodenbeläge sowie die Kastenrinnen an der Reihe. Übrigens: Spaziert man ein paar Schritte weiter um die nächste Straßenecke, steht man vor seinem dritten Kölner Wohnhaus von 1995. Unverkennbar Ungers.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text – und Bildquelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz