Bei der Hochwasserkatastrophe dieses Sommers sind allein an der Ahr mindestens 134 Menschen ums Leben gekommen. In das Entsetzen darüber und die Trauer um ihr Schicksal mischt sich Fassungslosigkeit über das Verhalten der Behörden im Vorfeld – und über ihre jämmerlichen Ausreden hernach.

Landesinnenminister Roger Lewentz verweist nur auf die Zuständigkeit des Kreises Ahrweiler. Die Warnapp Nina wird nicht genutzt. Trotz der bekannten Hochwasserrisiken an der Ahr speist das Landesumweltamt deren Daten dort nicht ein. Die App Katwarn wird zwar eingesetzt. Hier macht wiederum der Kreis Ahrweiler nach 19:35 Uhr erstmal zwei Stunden Sendepause. Landrat Jürgen Pföhler verweist allen Ernstes auf seine technische Einsatzleitung, wenn es um die Frage geht, warum die Ahr-Anrainer erst zum Räumen ihrer Häuser aufgerufen werden, als die ersten Gebäude schon von den Wassermassen mitgerissen wurden.

Die Abläufe im Krisenstab müssen chaotisch gewesen sein. Eine frühere Evakuierung hätte viele Menschenleben gerettet, aber von Pföhler kommt kein Wort der Einsicht, nur der Hinweis auf eine Ausnahmesituation. Als ob die Gefahr sommerlicher Hochwasserkatastrophen an der Ahr nicht seit Jahrhunderten dokumentiert wäre – unabhängig von den Folgen des Klimawandels. Nicht nur der Kreis, sondern auch das Innenministerium des Herrn Lewentz müssen die Reaktion auf solche Extremhochwasser vorab durchspielen.

Erstaunlich, dass die Staatsanwaltschaft Koblenz keinen Ansatzpunkt für Ermittlungen gegen Behördenvertreter sieht. Umso dringender sind personelle und organisatorische Konsequenzen im Kreis und im Land.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: : Kölnische Rundschau, Fotocredit: KNJ/Martina Uckermann (Archivbild)