Lange Zeit war es die Kirche, an die man sich mit Gefühlen wie Trauer wandte. Mittlerweile gibt es für Trauernde aber auch andere Angebote, zum Beispiel digitale.

Früher wandten sich Angehörige im Trauerfall meistens an die Kirche – doch gerade junge Menschen fühlen sich dort nicht mehr unbedingt zugehörig. Was heißt das eigentlich für Trauernde in der heutigen Welt? Gibt es eine moderne Trauerkultur? Hier finden Sie Möglichkeiten und Anlaufstellen, an die sich Angehörige heute wenden können. Denn ohne Rituale funktioniert Trauer nicht, sie geben uns Orientierung angesichts unlösbarer Fragen.

„Wenn es so etwas wie moderne Trauer gibt, dann ist die zunehmende Individualisierung ein Indiz dafür“, sagt Rupert Scheule, Professor für Moraltheologie an der Uni Regensburg. „Heute wird mehr darauf geachtet, den Verstorbenen und ihren Angehörigen gerecht zu werden, statt mit kalten Ritual-Routinen darüberzubügeln.“

Gemeinschaft ist trotzdem wichtig

Die Tendenz zum Individuellen finde sich überall, häufiger in großen Städten – Berlin sei ein Hotspot moderner Trauerkultur. Es gibt eine Vielzahl von Projekten, etwa kompostierbare Urnen, in denen die Asche mit Baumsamen vermischt wird. Irgendwann wächst ein Baum daraus. Wichtig ist es, dass der Gemeinschaftsaspekt nicht abhandenkommt. Dafür gibt es mittlerweile auch digitale Angebote: etwa die „Trosthelden“, die aus einem Pool an Angemeldeten die Trauerfälle zusammenbringen, die sich ähneln – für einen Austausch. Trauernde füllen einen Fragebogen aus und bekommen dann mindestens fünf passende Trauerfreunde vorgeschlagen.