„Toni Erdmann“ erhält FIPRESCI Grand Prix 2016 für den besten Film des Jahres „Jesús“ von Fernando Guzzoni und „Nocturama“ von Bertrand im Wettbewerb

„Oscuro Animal“ von Felipe Guerrero in der Sektion Zabaltegi-Tabakalera

 

  1. San Sebastián Film Festival vom 16. – 24. September

 

NRW ist beim San Sebastián Film Festival mit gleich vier filmstiftungsgeförderten Filmen vertreten: In den Wettbewerb eingeladen wurden „Jesús“ von Fernando Guzzoni und „Nocturama“ von Bertrand Bonello. Maren Ades „Toni Erdmann“ wird in der Reihe Pearls zu sehen sein und wurde darüber hinaus bereits am 16. September im Rahmen der Eröffnungsfeier mit dem FIPRESCI Grand Prix 2016 für den besten Film des Jahres ausgezeichnet. Maren Ade ist die erste Regisseurin, die diese Auszeichnung entgegen nehmen durfte.

 

Weltweit haben 475 Mitglieder der Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung abgestimmt. In der Sektion Zabaltegi-Tabakalera, die 2016 erstmals als Wettbewerb ausgerichtet wird, ist „Oscuro Animal“ von Felipe Guerrero zu sehen. Das renommierte Festival, zu dem die beiden internationalen Koproduktionen eingeladen wurden, findet in diesem Jahr zum 64. Mal statt.

 

Die Filme im Einzelnen:

 

„Jesús“

Regisseur Fernando Guzzoni hat sein Drama „Jesús“ mit Nicolás Duran und Alejandro Goic in den Hauptrollen inszeniert.

Die Story:

Jesús (18) lebt in Santiago mit seinem Vater zusammen, der die meiste Zeit unterwegs ist. Zur Schule geht er seit geraumer Zeit nicht mehr – stattdessen tanz er in einer Koreanischen Popband und hängt im Park mit seinen Freunden ab. Eines Nachts wird Jesús in einen Mord an einem Schwulen mit drei anderen Jungs verwickelt. Von Schuldgefühlen überwältigt, vertraut er sich einem Vater an. Über den Mord wird in der Zwischenzeit auf allen Kanälen berichtet. Sein Vater bringt ihn in den Süden Chiles, wo er bleiben soll, bis sich die Lage beruhigt hat. Als er zurückkommt, bringt ihn der Vater nicht nach Hause, sondern überstellt ihn der Polizei.

„Jesús“ ist eine internationale Koproduktion der Kölner unafilm mit Rampante Films und JBA Production (beide F). Die Film- und Medienstiftung NRW förderte mit 60.000 Euro, weiteres Geld kam von World Cinema Fund Europe, CNC, Ibermedia, Torino Film Lab, Corfo und Greek Film Centre. Der Weltvertrieb liegt bei Premium Paris.

 

„Nocturama“

Ein Morgen in Paris tanzen eine Handvoll Jugendlicher aus unterschiedlichen sozialen Schichten, jeder für sich, ein seltsames Ballett durch das Labyrinth der Metro und den Straßen der Hauptstadt. Sie alle scheinen einem Plan zu folgen. Ihre Gesten sind in ihrer Präzision fast gefährlich. Sie steuern alle auf einen Punkt zu, ein Kaufhaus kurz vor Ladenschluss. Der Überfall nimmt seinen Lauf…

Die Hauptrollen in der deutsch-französischen Koproduktion der Kölner Pandora Filmproduktion sowie Rectangle Production, My New Picture (beide F) und Scope Pictures (BE) spielen Finnegan Oldfield, Vincent Rottiers, Hamza Meziani, Manal Issa, Martin Guyot, Jamil McCraven, Rabah Nait Oufella, Laure Valentinelli und als Gast Adèle Haenel. Als Sender sind ARTE G.E.I.E. und der WDR an der Produktion beteiligt. Die Filmstiftung NRW förderte mit 200.000 Euro, weitere Förderer waren die Deutsch-Französische Förderkommission und Eurimages. Wild Bunch hat den Verleih und den Weltvertrieb übernommen.

 

„Toni Erdmann“

Die Komödie erzählt die Geschichte von Winfried (Peter Simonischek), einem Musiklehrer, und seiner Tochter Ines (Sandra Hüller), einer Karrierefrau, die um die Welt reist, um Firmen zu optimieren. Da Winfried zu Hause nicht viel von seiner Tochter sieht, beschließt er, sie spontan in Rumänien zu besuchen. Statt sich anzukündigen, überrascht er sie in der Lobby ihrer Firma. Die Annährungsversuche des Vaters scheitern kläglich. Doch dann überrascht Winfried Ines mit einer radikalen Verwandlung in Toni Erdmann, sein schillerndes Alter Ego. Toni nimmt kein Blatt vor den Mund und mischt sich in Ines‘ Berufsleben ein. Überraschend lässt Ines sich auf sein Spiel ein, und Vater und Tochter machen eine verblüffende Entdeckung: Je härter sie aneinander geraten, desto näher kommen sie sich

„Toni Erdmann“ ist eine Produktion von Komplizen Film in Koproduktion mit coop99Filmproduktion und Missing Link Films. SWR, WDR und ARTE beteiligten sich als Sender an der Produktion. Ein Teil des Films wurde in Aachen

inszeniert, weiterer Drehort war Bukarest. Die Film- und Medienstiftung ist Hauptförderer mit 785.000 Euro, weitere Unterstützung kam vom MBB, FFHSH, FFF, DFFF, FFA, BKM, ÖFI, Filmstandort Austria, Media und Eurimages.

 

„Oscuro Animal“

Nach einem heftigen Sturm bricht in Kolumbien der Morgen an. Irgendwo in den Tiefen des Urwalds ist Rocios Ehemann verschwunden und sie muss ihr Dorf verlassen, nachdem es verwüstet wurde. Irgendwo ist La Mona. Sie hat ihren jungen und gewalttätigen Freund erstochen. Irgendwo ist Nelsa. Sie ist desertiert, nachdem sie den Befehl ausgeführt hat, die verstümmelten Leichen von hingerichteten Bauern zu verbrennen. Die drei Frauen flüchten aus ihrem lebensfeindlich gewordenen Umfeld in die Anonymität der Hauptstadt Bogota und finden auf ihrer Reise liebe und unliebsame Wegbegleiter, die die Vertriebenen bis an ihr Ziel bringen sollen.

Das Drama ist eine internationale Koproduktion der Kölner Sutor Kolonko sowie gema films (ARG), mutokino (COL), Viking Films (NL) und Boo Productions (GR). Die Filmstiftung förderte mit 50.000 Euro, weitere Unterstützung kam von INCAA, Proimágenes Colombia, Hubert Bals Fund, World Cinema Fund Europe und Netherlands Film Fund. Der Weltvertrieb liegt bei Pascale Ramonda.

 

Das 64. San Sebastián Film Festival läuft noch bis 24. September. Die Filme werden in diesem Jahr in insgesamt 15 verschiedenen Sektionen gezeigt.

 

 

 

Quelle: Film- und Medienstiftung NRW, Archivbild