Von 1995 bis 2002 gehörte Bärbel Schäfer mit ihrer Talk-Sendung zu den erfolgreichsten deutschen Fernsehfrauen. Mittlerweile kümmert sie sich um ihre Familie und arbeitet nebenbei als Hörfunk- und Buchautorin. Im Interview spricht die 52-Jährige über den Tod ihres Bruders, den sie in ihrem neuen Buch verarbeitet, und wie er sie verändert hat.

 

Soll ich den zusätzlichen Job in München annehmen oder nicht lieber die Zeit mit meiner Familie verbringen?

„Ich lebe bewusster. Wenn der Tod etwas Gutes hat, dann ist es das: neue Kraft schöpfen und verändert auf das Leben schauen. Beispielsweise überlege ich mir sehr genau: Soll ich den zusätzlichen Job in München annehmen oder nicht lieber die Zeit mit meiner Familie und Freunden verbringen oder einen Deutsch-Kurs für Flüchtlinge halten?“

 

Die Scheidung der Eltern schweißte uns noch stärker zusammen.

Im Oktober 2013 verstarb ihr geliebter Bruder Martin an den Folgen eines Unfalls. „Mit Martins Tod ist auch ein Teil von mir gestorben.“, erklärt die ehemalige TV-Moderatorin. „Ich war die große, drei Jahre ältere Schwester, die sich sogar für ihn geprügelt hat. Die Scheidung der Eltern schweißte uns noch stärker zusammen. Wir waren die besten Freunde. Er zog sogar bei mir in Köln ein und wurde Teilhaber meiner TV-Firma.“ Das Schreiben über den Tod ist ihr nicht schwer gefallen: „Es ist der persönlichste Text, den ich je verfasst habe. Die Stille des Schreibens ist mein Zugang zu meinen Gefühlen – und deshalb erleichternd.“

 

Diese Suche ist keineswegs abgeschlossen

Das Buch trägt den Titel „Ist da oben jemand?“. Hat Bärbel Schäfer ihre Antwort gefunden? „Ich stelle weder mein Glück noch mein Unglück in Beziehung zu Gott. Aber ich wollte mich der Frage stellen, warum so viele Menschen in der Religion eine Kraftquelle finden. Ich trage eine Art Sehnsuchtsschmerz in mir, und diese Suche ist keineswegs abgeschlossen.“

 

Unsere Liebe war immer sehr stark

Seit 2004 ist Bärbel Schäfer mit dem Autor Michel Friedmann verheiratet. Für ihn ist sie sogar zum Judentum konvertiert. Der Tod ihres Bruders hat die beiden noch mehr zusammen gebracht. „Unsere Liebe war immer sehr stark. Aber in dieser Situation hat sich dann bestätigt, dass er nicht nur ein toller Mann, sondern auch ein wundervoller Freund ist. Ein Mensch, der keine Angst vor Emotionen hat, dem Tod und Trauer keine Angst bereiten.“ Über die Liebe hat die 52-Jährige in ihrem Leben einiges gelernt. „Es lohnt immer, sich auf jemanden voll einzulassen. Sich keiner Fassade hinzugeben, sondern sich mit allen Risiken zu verschenken, alle Schwächen und Widersprüche offenzulegen.“

Man muss jederzeit mit dem Unerwarteten rechnen

Ihr Lebensgefühl beschreibt sie heute so: „Ich habe unsichtbare Wunden, mit denen kann ich leben. Weiterleben. Ich weiß, was ich will. Und ich habe sicher eines verinnerlicht: Man muss jederzeit mit dem Unerwarteten rechnen. Das Negative habe ich, denke ich, zur Genüge erfahren. Jetzt dürfen es in nächster Zeit gern die positiven Überraschungen sein.“

 

 

Quelle: Meins, Bildquelle. Image.net