Götz George (77), der große Mime, der Schauspieler, der sich nicht in eine Schublade packen ließ, ist völlig überraschend gestorben. Seinen größten Zuschauererfolg hatte George in den 1980er Jahren im Fernsehen: Mit den Schimanski-Tatortfolgen des WDR, die von 1981 bis 1991 zu sehen waren. In dieser Rolle trat er 1990 auch in dem Fernseh-Kriminalfilm „Unter Brüdern“ auf, dem einzigen Crossover der bundesdeutschen Krimireihe Tatort und der DDR-Krimireihe „Polizeiruf 110“. Götz George verkörperte im Tatort einen ganz neuen Typ von Kommissar. Prollig, mit unkonventionellen Methoden, spielte er sich schnell in die Herzen der Zuschauer. Zuerst kritisiert, avancierte er schnell zum Publikumsliebling, vielleicht weil er eben anders war. Dabei fing seine Karriere ganz anders an.

 

Zuerst war er nur der Schönling, aber dann zeigte George seine ganze Bandbreite an Talent und Können

Sein Bühnendebüt hatte Götz George 1950 in William Saroyans „Mein Herz ist im Hochland“ am Berliner Hebbel-Theater. 1953 bekam er neben Romy Schneider seine erste kleine Filmrolle in „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“. Im selben Jahr spielte er erstmals, wie später noch oft, an der Seite seiner Mutter Berta Drews in Shakespeares „Richard III“. Von 1955 bis 1958 studierte er am Berliner UFA-Nachwuchsstudio bei Else Bongers. In dem DEFA-Film „Alter Kahn und junge Liebe“ stand er 1956 das erste Mal in einer Hauptrolle vor der Kamera. Die entscheidende schauspielerische Ausbildung erhielt er jedoch in der Zeit von 1958 bis 1963. Auf den Rat seiner Mutter hin spielte er am Deutschen Theater in Göttingen unter der Leitung von Heinz Hilpert. Nach dessen Tod schloss er sich nie wieder einem festen Ensemble an, er stand aber regelmäßig bei Tourneen oder Gastspielen auf der Bühne.

 

Mit zahlreichen Ehrungen überhäuft

In den 1990er Jahren spielte George in „Der Sandmann“ den vermeintlichen Serienmörder und Literaten Henry Kupfer. In „Die Bubi-Scholz-Story“ legte George das Trauma eines gealterten, gebrochenen Boxers bloß. In „Der Totmacher“ brillierte er als der Serienmörder Fritz Haarmann, was ihm unter anderem den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Venedig und den letzten von vier Deutschen Filmpreisen einbrachte. In „Nichts als die Wahrheit“ übernahm er – mit Hilfe einer Latexmaske optisch gealtert – die Rolle des NS-Arztes und Massenmörders Josef Mengele und spielte so, als ob er mit der Person verschmolzen war. Aber auch immer wieder in Komödien konnte er sich mit seiner Rolle in mehreren Filmen von Helmut Dietl identifizieren, sei es als Hamburger Reporter Hermann Willié in „Schtonk!“, als Regisseur Uhu Zigeuner in „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ und als todkranker Bundeskanzler in „Zettl“.

 

Ein Mann wie ein Baum – unzerstörbar und doch so verwundbar

Das plötzliche Ableben von Götz George hat die Nation erschüttert. Ein Mann wie ein Baum. Unerschütterlich und konsequent verfolgte er seine Karriere, seine Rollen. Genauso aber schützte er sein Privatleben. Er sagte mal „Die Leute von der Presse sind alles Pappnasen“! Dabei hatte er nichts gegen die Presse, solange man ihn in Ruhe ließ. Er mochte keine Öffentlichkeit. Götz George gab oft den harten Kerl, doch im Inneren war er sehr verwundbar.

 

War er schwer erkrankt?

Nun teilte eine Sprecherin von der „dpa“ mit, dass der „Schimanski“-Star nach kurzer Krankheit im Alter von 77 Jahren verstorben sei. Er habe sich eine Verabschiedung im engsten Kreis gewünscht, hieß es. Der großartige Darsteller soll nach Informationen von „bild.de“ schon am vergangenen Sonntag (19. Juni) gestorben sein. Demnach habe er an Krebs gelitten. Wie die BILD berichtete, soll der Schauspieler in seinen letzten Lebensjahren zudem immer wieder mit Herzproblemen zu kämpfen gehabt haben. Deshalb musste sich George 2007 in Berlin auch wegen einer gefährlich vergrößerten Aorta einer komplizierten Herz-Operation unterziehen.

 

Götz George wurde bereits in Hamburg im engsten Kreis seiner Familie beigesetzt

In seinen Todesstunden soll seine fast 20 Jahre jüngere Ehefrau Marika Ullrich, (56) an seiner Seite gewesen sein. Auch seine Tochter Tanja sei bei ihrem Vater gewesen. Die 49-Jährige ist die gemeinsame Tochter von Schauspielerin Loni von Friedl und Götz George. Die beiden waren von 1966 bis 1976 verheiratet. Mit der Hamburger Journalistin Ullrich war George seit 1997 zusammen. Erst vor zwei Jahren heiratete das Paar. Zuvor hatte er eine lange Beziehung mit Gabi Pauler. Da er aber keine Kinder mit ihr wollte, trennte sich das Paar. Laut „bild.de“, soll Götz George bereits in Hamburg im engsten Kreis seiner Familie beigesetzt worden sein. So hatte er es sich gewünscht – still und ruhig, nicht umgeben von Trubel der Medien und Zuschauer. Er war ein begnadeter Schauspieler, aber privat war er ein einsamer Wolf, der die Einsamkeit liebte.

 

 

Quelle: dpa, Bild.de, Wikipedia, Bildquelle: Wikipedia, www.horstschimanski.info