„Menschen, Bilder, Orte – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

„Menschen, Bilder, Orte – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

Bis zum 27. März 2022 zeigt das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln „Menschen, Bilder, Orte – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Die Wanderausstellung mit vier multimedialen Kuben wurde vom MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln im Rahmen des Festjahres zu 1700 Jahren jüdisches Leben in Deutschland konzipiert und war bereits im vergangenen Jahr in Essen, Münster, Köln (LVR-Landeshaus), Wesel und Dortmund zu sehen. Mit der Verlängerung des Festjahrs wird die Ausstellung nun auch bundesweit touren.

Zur Eröffnung der Ausstellung am gestrigen Abend betonte Dr. Annemone Christians-Bernsee, kommissarische Direktorin des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln: „Die Vermittlung der Facetten und Werte einer pluralen, offenen Gesellschaft, in der jüdisches Leben seinen festen Platz hat, ist in der Arbeit des NS-DOK fest verankert. Das heißt, für Antisemitismus und Rassismus zu sensibilisieren, leider aber auch, Betroffene von antisemitischen Übergriffen und Anfeindungen zu unterstützen und zu beraten“.

Stefan Charles, Kulturdezernent der Stadt Köln, hob hervor, dass wichtige Werke wie der Amsterdam Machsor und die Übersetzung der Haggada ins Deutsche in Köln entstanden sind. Darüber hinaus verwies er auf zahlreiche Kölner Biografien, die stellvertretend für Meilensteine der über 1700-jährigen Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland stehen.

Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland unterstrich die Bedeutung von Aufklärung und Bildungsarbeit: „Sie sind die besten Wege, um Verständnis, Toleranz und Respekt zwischen jüdischen und nichtjüdischen Menschen zu lernen. Das gemeinsame Miteinander, das Zusammenleben, das bereits in der Geschichte immer wieder funktionierte, sollte eigentlich längst zu einer alltäglichen Selbstverständlichkeit geworden sein.“

Andrei Kovacs, leitender Geschäftsführer des Vereins 321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e. V., bekräftigte: „Durch die Darstellung der Geschichte anhand von Biografien wird die 1700-jährige Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland einem breiten Publikum nahegebracht. Sie macht unterschiedliche Perspektiven des Miteinanders jüdischer und nicht-jüdischer Menschen erlebbar. Von ihnen können wir lernen, um an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten“.

Ausgehend vom Dekret Kaiser Konstantins von 321 schildert die Wanderausstellung mit einem geografischen Fokus auf das Rheinland die Geschichte und Geistesgeschichte des Judentums in Deutschland. Das Gesetz Konstantins veranlasste, dass Juden reichsweit in den Provinzhauptstädten im Römischen Imperium von nun an in den Stadtrat berufen werden konnten. Die Urkunde richtet sich explizit an den Kölner Stadtrat und ist die früheste Quelle, die exemplarisch für das spätantike Köln wie für die Regionen nördlich der Alpen jüdisches Leben belegt.

Die Erzählung der Wanderausstellung ist an den Biografien konkreter Personen ausgerichtet, deren Lebenswege markante Ereignisse und Epochen jüdischer Geschichte in Deutschland widerspiegeln und die Perspektive auf den europäischen Raum ausweiten. Ausgehend von Kölner Bürgerinnen und Bürger wie Abraham von Oppenheim, Isaac Offenbach, David Levy-Elkan, Leonhard Tietz, Max Bodenheimer, David Wolffsohn, Fritz Deutsch, Richard Stern oder Edith Stein werden für den Blick auf einen gesamtdeutschen Kontext weitere wichtige Persönlichkeiten für die Meilensteine in Geschichte und Politik dieser 1700-jährigen Tradition vorgestellt: stellvertretend Moses Maimonides, Moses Mendelssohn, Heinrich Heine, Fanny Hensel, Regina Jonas, Leo Baeck, Heinrich Graetz, Louis Lewandowski, Hans Samuel, Friedrich Hollaender und Heinrich Böll.

Die Ausstellung besteht aus vier begehbaren und multimedial bespielten Kuben (3 x 3 x 2,5 m), die sich auf ihren Außen- und Innenflächen jeweils einem der vier übergeordneten Themen widmen: Recht und Unrecht, Leben und Miteinander, Religion und Geistesgeschichte sowie Kunst und Kultur. Die mediale Inszenierung der 1700-jährigen jüdischen Geschichte schafft in den Kuben eine eigene intensive Atmosphäre: Visuelle sowie akustische Eindrücke vermitteln die Inhalte und über Interaktionen können die Besucherinnen und Besucher diese auch selbst entdecken.

Die Ausstellung wird bis zum 27. März im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln gezeigt. Informationen zu Öffnungszeiten und aktuellen Besuchsregelungen finden Sie auf der Homepage des NS-DOK: www.nsdok.de.

Ebenfalls sehenswert: Fotoausstellung „Jüdischer Alltag in Deutschland“ 

In der Zeit vom 9. Februar bis 7. März 2022 ist im Nordfoyer des LVR-Landeshaus (Kennedy-Ufer 2, 50679 Köln) die Fotoausstellung „Jüdischer Alltag in Deutschland“ zu sehen.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Initiative kulturelle Integration hatten 2020 den bundesweiten Fotowettbewerb mit dem Titel »Zusammenhalt in Vielfalt – Jüdischer Alltag in Deutschland« ausgelobt. Ziel des Wettbewerbs war es, die Lebendigkeit und Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland zu zeigen und den Zusammenhalt zu stärken. Aus insgesamt 654 eingereichten Fotos hat eine unabhängige Jury zehn Fotos prämiert, die seit Juni 2021 als Wanderausstellung durch die Bundesrepublik reisen.

Die Wanderausstellung im LVR-Landeshaus ist täglich von 10 bis 18 Uhr frei zugänglich. In der Ausstellung ist eine Maske zu tragen. An der Pforte ist ein 3G-Nachweis vorzuzeigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: MiQua, Fotocredit: KNJ/Martina Uckermann

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