Römisch-Germanisches-Museum. Baudezernent und Kulturdezernent geben Überblick über aktuellen Sachstand

Römisch-Germanisches-Museum. Baudezernent und Kulturdezernent geben Überblick über aktuellen Sachstand

Am 8. September 2022 entscheidet der Rat der Stadt Köln über die Weiterplanung der Sanierung des Römisch-Germanischen Museums und vorgezogene notwendige Maßnahmen. Die Beigeordneten für Planen und Bauen, Markus Greitemann, und für Kunst und Kultur, Stefan Charles, informierten nun über den derzeitigen Planungsstand und ihre Strategie einer maximalen Transparenz und Kostensicherheit bei Kulturbauten im Lichte der Sanierung des Römisch-Germanischen-Museums. Das Römisch-Germanische-Museum (RGM) ist seit 1974 ein großer Publikumsmagnet in Köln. Durch die geplante Sanierung und Erweiterung kann die Sammlung so präsentiert werden, dass es ihrer europaweiten Bedeutung gerecht wird.

Das RGM wird Teil der Kooperation „Historische Mitte“ zwischen der Hohen Domkirche und der Stadt Köln sein. Diese wertet den europäischen Touristenhotspot „Kölner Dom“ auf und schafft einen einzigartigen Ort, um 2000 Jahre Stadtgeschichte im Herzen von Deutschlands ältester Metropole erlebbar zu machen. Durch die räumliche Verbindung und die Zusammenarbeit von Hoher Domkirche, Römisch-Germanischem Museum und Kölnischem Stadtmuseum wird ein modernes Zentrum zur Präsentation und Vermittlung der Stadtgeschichte an Kölner*innen und auswärtige Gäste geschaffen. Zusätzlich erhalten die historischen Stätten und Bodendenkmäler eine neue Würdigung und Erschließung: Mit der römischen Hafenstraße, dem Hafentor, dem Dionysos-Mosaik, dem Erzbischöflichen Palast und dem Dombunker werden hier Bauwerke aus allen Epochen der Stadtgeschichte an historischer Stelle präsentiert und mit den musealen Elementen verbunden. Zum 31. Dezember 2018 hat das Museum den Roncalliplatz verlassen müssen, da die Betriebserlaubnis abgelaufen war. Der Betrieb wird inzwischen im Belgischen Haus fortgeführt.

Seit dem Freizug des Gebäudes sind neben der Hauptmaßnahme – der Generalsanierung des Museums – die Sanierung der Decke der Dombauhütte und der Trafostation sowie der Außenanlagen zur Aufgabenbeschreibung hinzugekommen. Es haben viele vertiefende Voruntersuchungen stattgefunden, um die Planungs- und damit auch die spätere Kostensicherheit zu erhöhen. Alle erforderlichen externen Planungsleistungen wurden vorbereitet, ausgeschrieben, vergeben und beauftragt. Darüber hinaus hat die Gebäudewirtschaft mit dem Generalplanungsteam sowie dem Kulturdezernat die gestalterisch-konzeptionelle Grundidee der Ausstellungsplanung erarbeitet. Des Weiteren haben Abstimmungen zwischen den Projekten „Sanierung RGM“ und denen der Historischen Mitte (Kurienhaus, Studienhaus des RGM, Kölnisches Stadtmuseum) stattgefunden. Untersuchungen von Fassaden, Außenwandelementen sowie Schadstoffuntersuchungen haben stattgefunden, um frühzeitig Erkenntnisse zu erforderlichen Sanierungsmaßnahmen zu erhalten und mit der Denkmalschutzbehörde abzustimmen.

Bevorstehende Entscheidung des Rates zum Römisch-Germanischen Museum

Die Kostenentwicklung beim Bauen stellt öffentliche Bauherren vor große Herausforderungen. Neben nicht vorhersehbaren baulichen Risiken kommen immer schon nicht kalkulierbare kaufmännische Risiken hinzu. Durch die Pandemie und den Krieg in der Ukraine sind diese Risiken in den vergangenen zwei Jahren gestiegen und haben dazu geführt, dass Bietende ihre Preise angehoben haben.

Der Rat wird über die nahtlose Weiterplanung, weitere Mittelfreigaben sowie die Erlaubnis eines früheren Rückbaus aller Verkleidungen im Gebäudeinneren zur Generalsanierung des RGM entscheiden. Zugleich wird um Genehmigung der Kosten für die Weiterplanung bis Ende der Leistungsphase 3 (Entwurfsplanung) und um frühzeitige Finanzierung der Leistungsphase 4 gebeten, um den Bauantrag frühestmöglich stellen zu können. Der Rückbau aller Abhangdecken und Stützenverkleidungen zur Sichtung der tragenden Bauteile schlägt ebenfalls früher zu Buche und die noch im Haus verbliebenen Exponate müssen ausgelagert werden. Zudem werden Mehrkosten für zusätzliche Interims-Depots anfallen, die anzumieten sind, weil die derzeit vorhandenen Depots des Museums voraussichtlich nicht ausreichen werden, um die gesamte Kunst für die Dauer der Baustelle geschützt und beschützt unterzubringen. Die vier zu beschließenden Punkte werden mit knapp 5,9 Millionen Euro zusätzlich beziffert, die in einer Gesamtsumme von 91,2 Millionen Euro brutto enthalten sind, womit die Stadt Köln erstmals eine Kostenschätzung für das Gesamtprojekt abgibt.

Im Jahr 2015 gab es eine erste Vorab-Kostenprognose (41,7 Millionen Euro), diese lag dem Planungsbeschluss 2017 zugrunde. 2016 wurde das RGM unter Denkmalschutz gestellt, was noch einmal eine ganz andere Aufgabenstellung bedeutet und Umplanungen erforderlich machte. Vor allem aber sind neben der Hauptmaßnahme – der Generalsanierung des Museums – die Sanierung der Decke der Dombauhütte und einer Trafostation mit Räumen sowie die Außenanlagen nach dem Planungsbeschluss 2017 noch zur Aufgabenbeschreibung hinzugekommen.

Gegenüber der zurzeit des Planungsbeschlusses 2017 ersten groben Kostenprognose ist die nunmehr vorliegende Fortschreibung als Kostenschätzung sehr viel genauer aufgrund der nun deutlich fortgeschrittenen Planungstiefe. Ein früherer Rückbau nach Sicherung der im Museum verbleibenden Großexponate soll größtmögliche Kosten- und Planungssicherheit bringen. Die im Museum verbleibenden Exponate wie das Dionysos-Mosaik, das Poblicius-Grabmal und der große Torbogen im Obergeschoss müssen mit dem vorgezogenen Rückbau durch fachgerechte Einhausung geschützt und videoüberwacht werden.

Der Rat entscheidet über die Weiterplanung der folgenden Leistungsphasen auf Grundlage dieser fortgeschriebenen Kosten, die die Risikozuschläge in Höhe von jeweils 25 Prozent bereits beinhalten. Sehr detailliert werden Risiken, die bei der Neugestaltung des denkmalschützten Museumsgebäudes zu erwarten sind, auch inhaltlich betrachtet. Von organisatorischen Risiken wie Rechtsstreitigkeiten bis hin zu den Risiken bei der Inbetriebnahme des Gebäudes werden die Risiken jeweils in Höhe der Kosten und der Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Die Kostenaufstellungen und die finanzielle Bewertung der potenziellen Risiken erfolgten durch das externe Projektsteuerungs- beziehungsweise das Generalplanungsteam, die mit der Sanierung beauftragt wurden.

Zugleich wird der Rat den Baubeschluss für den früheren Rückbau im Gebäudeinneren fassen, um die dort erwarteten Maßnahmen – in der Bausubstanz von 1974 – kalkulierbarer zu machen. Vor allem aber soll es nicht zu einer Planungspause zwischen den Leistungsphasen 3 (Entwurfsplanung) und 4 (Genehmigungsplanung) kommen, sondern weitergeplant werden, was die Projektdauer verkürzen und damit das Kostenrisiko zum Beispiel durch nicht beeinflussbare Baupreissteigerungen weiter begrenzen kann. Planen und Bauen hat immer neun Leistungsphasen zu durchlaufen. Der Baubeginn erfolgt in Leistungsphase 8.

Die Pläne sehen allein für die Ständige Sammlung des Museums einen Flächenzuwachs von rund 500 Quadratmetern sowie eine grundlegende Neuorganisation der gesamten Ausstellungsinhalte unter Berücksichtigung der erweiterten Barrierefreiheit und der gesetzlichen denkmalpflegerischen Auflagen gemäß Denkmalschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen vor. Die Sanierung des RGM besteht aus drei Teilprojekten. Neben der Generalsanierung des Museums als Hauptmaßnahme und der Sanierung der Decke über Dombauhütte sowie Trafostation als Nebenmaßnahme sind auch Abdichtungsmaßnahmen oberhalb des Untergeschosses und der Zufahrt der Tiefgarage „Am Dom“ als Aufgaben hinzugekommen. Zuerst wird an der Dombauhütte gearbeitet werden. Den Beschluss dazu hatte der Rat bereits im März 2022 gefasst, Baubeginn ist Sommer 2022. Baubeginn für die Hauptmaßnahme soll im Jahr 2023 sein. Zuvor müssen allerdings die wertvollen Museumsexponate und Einbauten ausgelagert bzw. Verbleibende für die Dauer der Bauarbeiten geschützt werden. Gegenüber der 2017 anvisierten Fertigstellung im Jahr 2025 wird durch den größeren Umfang der Maßnahmen von einer Fertigstellung in 2026 ausgegangen.

Risiken für Kostenveränderungen sind vor allem:

–        Mehrkosten, die dem Bestand geschuldet sind, beispielsweise vorher nicht erkennbare Mängel in der Bausubstanz

–        unkonkrete Kenntnisse über die Beschaffenheit des Baugrundes

–        zusätzliche Fachplanungsleistungen

–        konjunkturbedingte Baupreissteigerungen im laufenden Projekt (Baupreisindexierung)

–        Massenmehrungen inklusive notwendige Änderung der Bauausführung

–        geänderte rechtliche Vorgaben

–        Auflagen Brandschutz

–        Auflagen Denkmalschutz

Diesen Herausforderungen stellt sich die Bauherrin Stadt Köln seit geraumer Zeit mit immer effizienteren digitalen Methoden, erweiterten Vergabeformen (beispielsweise Open Book) und mehr partnerschaftlichen Verträgen zusammen mit der Bauindustrie. Ein weiteres Instrument ist ein wirksames Risikomanagement mit maximaler Transparenz zu Kosten- und Terminentwicklungen im laufenden Projekt. Im Netzwerk „Kommunaler Hochbau“ des Deutschen Städtetages findet ein reger Wissenstransfer statt und werden die Kompetenzen gebündelt. Kulturbauten stellen die Fachplaner*innen vor die allergrößten Herausforderungen, weshalb Planungsleistungen für derlei hochkomplexe Sonderbauten gemäß der Honorarordnung für Architekt*innen und Ingenieur*innen (HOAI) entsprechend honoriert werden.

Aktuelles Vorgehen bei der geplanten Generalsanierung des RGM

Noch vor Baubeschluss, der für das Jahr 2023 geplant ist und üblicherweise erst mit Fertigstellung der Entwurfsplanung (Leistungsphase 3) erfolgt, legt die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln den politischen Gremien ihre derzeitige Risikoanalyse im Zuge der Vorplanung (Leistungsphase 2) offen. Hintergrund ist neben maximaler Transparenz, dass Bauen im Bestand deutlich höhere Risiken aufweist, als neu zu bauen. Zur Risikominderung wurde deshalb bereits in einer frühen Leistungsphase in diverse Voruntersuchungen investiert, um möglichst frühe und belastbare Kenntnisse über den Bauzustand zu gewinnen und damit überteuerte Nachträge in der Bauphase zu vermeiden. Genehmigt der Rat der Stadt Köln nun den aktuellen Weiterplanungsbeschluss, würden vertiefende Bestandsuntersuchungen des Tragwerks folgen und die Kostensicherheit zum Zeitpunkt des Baubeschlusses weiter erhöht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Stadt Köln, Fotocredit: KNJ/Martina Uckermann

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