Er spielte meist die harten oder „bösen“ Charaktere oder auch einen Ruhrpott-Proleten. Jetzt ist Ralf Richter gestorben. Er wurde nur 69 Jahre alt.
Nachdem er an der Freien Volksbühne in Berlin, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und in Bonn am Theater gespielt und erste Kurzauftritte in den Tatort-Folgen Herzjagd (1980) und Duisburg-Ruhrort (1981) absolviert hatte, zog er 1981 nach München. Dort bekam er von Wolfgang Petersen die Rolle des Zentralemaats Frenssen in dem Spielfilm Das Boot, durch die er erstmals einem breiten Publikum bekannt wurde.
Er spielte meist die harten oder „bösen“ Charaktere oder auch einen Ruhrpott-Proleten. Kultstatus erreichte er vor allem als „Kalle Grabowski“ im Film Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding. Im Film Superstau von 1991 spielte er einen gestressten Gelsenkirchener Bergmann, der in seinem Audi 100 mit Frau und Sohn auf dem Weg in den Urlaub nach Korsika ist. Richter gab an, dass er eine Vorliebe für die Rolle des Proleten habe, seit er in der Kindheit eine Familie in seiner Siedlung erlebt habe, die er als „extrem asi“ empfunden habe.
Ralf Richter, der in Bochum aufgewachsen ist, wurde dabei immer wieder als Ruhrpottprolet besetzt. In einem Interview erklärte er den Erfolg dieser Figuren vor Jahren mit den Worten, „wer will schon jemandem 90 Minuten beim Bügeln zugucken? Interessant sind die Kaputten. “ Solche Typen seien einfach ehrlich. Ein Proll spricht die Dinge sofort aus.“
Sein anschließendes Projekt hieß Grabowski – Alles für die Familie. Aufgrund des Kultstatus seiner Rollenfiguren Karl-Heinz, Kalle und Harry Grabowski in der Unna-Trilogie von Peter Thorwarth initiierte sein Sohn Maxwell dieses Projekt, in dem Richter in einer Dreifachrolle noch einmal seine Kultfiguren spielen sollte. Das Drehbuch schrieben Vater und Sohn gemeinsam. Um den Film produzieren zu können, starteten die beiden eine Crowdfunding-Kampagne, die mit mehr als 1200 Unterstützern eine Summe von 127.000 € einbrachte. Das Projekt wurde mehrfach verschoben und nicht mehr umgesetzt.
Auch wir hatten Ralf Richter schon im Interview und lernten einen Menschen kennen, der auch Ernst sein konnte. Am Anfang trat er arrogant und fast überheblich auf, quatschte in die Anmoderation, doch dann nahm er die Sonnenbrille ab, lächelte und erzählte. Er erzählte von den Rollen, die er liebte, und nach dem Interview hielten wir einen Plausch über unsere Kinder. So war er – der Ralf Richter – unkonventionell, spontan, tiefgründig. Ein guter Schauspieler, der seine Maske erst abnahm, wenn er sich sicher fühlte. Er verabschiedete sich von mir mit Handkuss. Muss ich mehr sagen? Er war ein Proll – vor der Kamera. Im echten Leben war Ralf Richter auch gerne Gentleman, der mit verschiedenen Hilfsprojekten die Welt ein bisschen besser machen wollte. Zum Schluß hatte sein Herz keine Kraft mehr und seine Kinder sagten, dass er friedlich eingeschlafen ist. Wir werden Ihn vermissen.
Text: Martina Uckermann, Quelle: Cornel Wachter, Fotocredit: KNJ/Martina Uckermann
